Von Schwelle zu Schwelle

Eine Wanderung auf dem alten Schienenstrang von Wurzen nach Eilenburg



Strecke:                  Schwellenband

Länge:                     16,5 km

Aufstieg gesamt:      6 m

Abstieg gesamt:       16 m

Temperatur:            34 Grad fast durchgehend in der Sonne

Zeit:                       4:51:03 Stunden

Schon lange hatte ich mir die Wanderung auf dem Bahngleis von Wurzen nach Eilenburg vorgenommen. Mittlerweile von Wurzen Anschluß am Güterbahnhof bis nach Wurzen-Roitzsch, Kornhainer Brücke, zurückgebaut wurde es dennoch ein Erlebnis. Bei ausgiebigem Sonnenschein startete ich unterhalb der ehemaligen Brücke östlich von Roitzsch meine Tour. Abgestiegen in den „Berg“ auf den Gleiskörper programmierte ich den Höhenmesser in der Pulsuhr auf 135 Meter. Ich begann meine Schritte von Schwelle zu Schwelle. Der enge Schwellenabstand war schon ganz schön gewöhnungsbedürftig. Es dauerte nur wenige Meter und der Gleiskörper war völlig mit kleinen Bäumchen und Gestrüpp, später dann Brombeeren, zugewachsen. Nach einiger Zeit kreuzte sogar ein Viehzaun den alten Schienstrang, ich gewährte den vorbei ziehenden Kühen Vorfahrt. Der Zaun stand unter Strom und so zog ich es vor auf allen Vieren zu kriechen. Östlich befindet sich der Stau der Rietzschke, auf der westlichen Seite die Ortslage Roitzsch. Am Bahnübergang an der Obstplantage war hinter der Straßenquerung linksseitig der Bahnhof von Roitzsch. In meiner Jugendzeit stand der alte Bahnhofsschuppen noch, schon seit Jahren ist er verschwunden. Parallel zum Gleis verläuft die Pflaumenallee, im Sommer tragen die Bäume immer. Östlich der Schiene dehnen sich die Erdbeerfelder aus, westlich befinden sich die großen Plantagen mit Apfelbäumen. Ein kleiner Bahnübergang verbindet die Pflaumenallee mit den Erdbeerfeldern, wenig später wird unter der Straßenbrücke über welche die Falkenhainer Straße führt, hindurch gewandert. Schon seit einigen hundert Metern führt die Strecke wieder durch den Berg. Der Einschnitt ist etwa 10 Meter tief. Der Bewuchs des Gestrüppes vorwiegend mit Brombeeren wird so dicht das ich nach einigen Kratzern mal für 200 Meter aus dem Gleis steige, den Bahndamm hoch und am Feldrand weiter wandre. Als das Gestrüpp lichter wird kehre ich zurück, links und rechts sind Felsen. Ein Schild signalisiert das Ende der Rangierstrecke des Steinbruches, das Gleis ist frei und ich kann nun ohne Hindernisse von Schwelle zu Schwelle wandern. Aber durch das klappern der Steine in der Brecheranlage und das laufen der langen Förderbänder habe ich schon längst meinen Standort, Lüptitz, Steinbruch Breiter Berg, geortet. Von hier an ist mit Verkehr im Gleis zu rechnen. Westlich verläuft nun die Verladestation des Steinbruches, eine Diesellok vom Typ V15 schiebt einige Wagons. Hier ist der Beginn der Anschlussbahn. Der Weg führt weiter auf einem Damm. Nach den ersten Weichen kommt man über ein kleines Viadukt, die darunter durchführende Straße führt von Lüptitz in das Gewerbegebiet des Ortes. Hier fällt mir ein schöner alter Telegraphenmast auf. Unmittelbar dahinter liegen wieder etliche Rangiergleise die im Schatten von mehreren Holzmastlampen verlaufen. Danach wird über ein weiteres Viadukt gewandert, die darunter durchführende Straße führt von Lüptitz nach Zschorna. Wenige hundert Meter später wird erneut ein Viadukt überquert, darunter durch führt die Straße von Lüptitz nach Hohburg. Drei Viadukte in diesem kleinen Steinarbeiterdorf. Das Bahngleis verläuft wieder durch den Fels, eine herrliche Brücke überspannt die Bahn und verbindet die Felder. Bahnkilometer 7 ist erreicht. Westlich befindet sich der Wolfsbruch. Eine Langsamfahrstelle 10 km/h wird angekündigt und der Bahnübergang auf der Ortsverbindungsstraße von Lüptitz nach Kleinzschepa, vor dem Ortseingang Kleinzschepa passiert. Hier liegen mehrere Weichen des ehemaligen Bahnhofes. Nach rechts zweigt das Gleis zu einer weiteren Anschlußbahn ab. Auf einem alten Schild steht: Grenze der Anschlußbahn VEB Mineralstoffgemische. Das Gleis ist teilweise zurückgebaut und wird nicht mehr befahren. Links steht ein Eigenheim, sein Besitzer hat auf eine Seite ein hausgroßes Bild einer Dampflok malen lassen, wunderschön. Neben dem Haus steht das Holzgebäude des ehemaligen Bahnhofes ZschepaHohburg. Der Bahnhofsbereich mit 14 Weichen ist beendet und erneut erfolgt die Wanderung auf einem Bahndamm. Die Sonne prasselt unaufhörlich. Es geht erneut über ein Viadukt, darunter verläuft die Ortsverbindungsstraße von Kleinzschepa nach Großzschepa. Nach wenigen Metern überquere ich das mehrere Bogen große Viadukt durch das der Bach Lossa fließt. Ein herrliches Panorama wenn man von der Straße die darüber fahrenden Züge beobachtet. Es befindet sich am Bahnkilometer 8,9. Auf den nächsten 300 Metern wird über zwei weitere Viadukte und eine winzige Brücke gewandert. Die Strecke verläuft wenig später ebenerdig. Das Gelände des alten abgerissenen Umspannwerkes und der alten Verladestation ist erreicht. Der Bahnübergang am Feldweg unterhalb von Hasens Bruch wird passiert, unmittelbar danach beginnt eine Gleisanlage mit mehreren Weichen. Es ist Bahnkilometer 10,1 erreicht. Hier befindet sich eine weitere Anschlussbahn, sie führt in den Steinbruch Frauenberg. Weiter geht’s. Erneut über ein Viadukt, unter ihm führt die Ortsverbindungsstraße von Röcknitz nach Großzschepa durch. Später wird der Bahnübergang am Köppelschen Berg, Ortsverbindungsstraße Böhlitz nach Großzschepa gequert. Mittlerweile ist die ehemalige Verladestation vor Böhlitz erreicht. Links neben mir raschelt es im Gebüsch, ein Rehbock flüchtet parallel zum Gleis nach vorn und bleibt zwischen den Schienen stehen. Unter anderem ist mir ein sehr schönes Bild gelungen als er zum Sprung aus dem Gleis ansetzt. Bahnkilometer 11,9. Der Bahnübergang auf der Ortsverbindungsstraße von Böhlitz nach Wurzen wird passiert. Endlich mal ein Kasten von einem Streckentelefon, allerdings längst nicht so schön wie früher. Da ich kein Schienenfahrzeug bin und somit kein Signal geben kann lasse ich dem Straßenverkehr den Vorrang. Vom ehemaligen Bahnhof Collmen-Böhlitz zeugt nur noch das alte hölzerne Bahnhofsgebäude. Gegenverkehr, mir kommt ein Rangierzug der eine BR 110 vorgespannt ist und der in einen der Steinbrüche will, entgegen. Ich gehe aus dem Gleis und mache ein Foto von einem Bagger des Typs T174, vielen als Weimarlader bekannt. Zurück im Gleis wird weiter gewandert, jetzt wieder auf dem Damm und über ein Viadukt, darunter verläuft die Böhlitzer Ortsumfahrung bzw. die Straße in den Ort Lossa. Und wie so oft geht’s wieder in den Berg, diesmal aber nicht durch den Fels. An einer Stelle fällt mir rechts ein Hangrutsch, in den Bergen würde man Murre sagen, auf. Von hinten kommt die Lok und macht sich beizeiten bemerkbar, ich gehe aus dem Gleis. Am Bahnkilometer 13,1 wandere ich durch eine kleine Brücke, darüber führt die Ortsverbindungsstraße von Böhlitz nach Thallwitz lang. Der Ort Thallwitz ist von weitem sichtbar. Ich passiere ein Viadukt nordöstlich von Thallwitz was ich nicht kenne. Der Bereich des ehemaligen Bahnhofes von Thallwitz ist erreicht. Hinter mehreren Weichen wurden die Gleise abgebaut. Das ehemalige hölzerne Bahnhofsgebäude ist erst nach 1990 verschwunden. Das Gleis führt jetzt wieder durch einen Berg, dieser trägt den Namen Lauchberg. Von einer alten Brücke die die Felder links und rechts des Schienenstranges verbindet stehen nur noch die Reste. Wenig später passiere ich eine etwas sonderbar gebaute Brücke am Eisenbahnkilometer 17,4. Über diese führt die Straße von Thallwitz nach Eilenburg. Hier müsste 200 Meter später auch die ehemalige Landesgrenze zwischen Sachsen und Preußen sein. Mitten durch den Lauch, einem Waldgebiet, bin ich endlich im Schatten was wesentlich angenehmer ist. Der Schienenstrang ist am Hang gebaut, links fällt das Gelände stark ab. Erneut bin ich auf einem Bahndamm, das erste Viadukt im Eilenburger Land „Preußen“ ist erreicht, nach etwa 200 Metern weiter folgt ein weiteres. Am Bahnkilometer 18,7 klettere ich vor dem Ort Eilenburg vom Damm. Nach fast 5 Stunden in der Sonne hat sich meine Hautfarbe etwas geändert und eine lehrreiche Wanderung ist beendet. Wie so oft war ich ja nur mit Kopftuch, kurzer Hose, Turnschuhen, Gürteltasche mit Fotoapparat und Pulsuhr unterwegs. Diesmal hatte ich mir allerdings noch einen kleinen Verpflegungsbeutel umgehangen der als Rettung bei dieser Hitze zwei Trinkflaschen beinhaltete. Am Ende habe ich 328 Fotos geknipst und dadurch die Wanderzeit um bestimmt eine gute reichliche Stunde künstlich verlängert. Die Viadukte bilden aus Richtung der Straßen ein schönes Panorama. Wer mitgezählt hat kommt auf insgesamt 16 Viadukte und Brücken. Mir persönlich gefällt am besten das Viadukt das den Bach Lossa überspannt.

Übrigens, wie so oft bei meinen Radtouren besuchte ich eine reichliche Woche später diese Bahnanlagen erneut und erspähte einen Schotterzug vor dem zwei Dieselloks des Typs NOHAB gespannt waren auf dem Güterbahnhof in Eilenburg. Ich muß wie Louis Defunes gestaunt haben, meine Augen leuchteten. Zu meinem TT Modell konnte ich nun endlich einmal ein Original bestaunen, das es gleich zwei waren, einfach genial. Eine der Lokomotiven war erst generalüberholt und somit eine absolute Augenweide. Eine kurzer Schwatz mit dem Stellwerker und ich legte mich tags darauf auf die Lauer. Wie ihr seht sind die Bilder auch gelungen. Der Zug holte einen schweren Schotterzug aus dem Steinbruch Lüptitz. Wie ich später erfuhr war schon mal im Jahr 2006 eine NOHAB auf der Strecke von Eilenburg nach Lüptitz unterwegs.         

Eine Wanderkarte wird zu dieser Tour nicht benötigt, wer hat kann sich an einem alten Kursbuch oder Fahrplan orientieren.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar fast heilen Natur ist sehr erholsam.

Ich fand nicht überall eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei das diese Treckecken nicht mehr erblühen oder wachsen.

Viel Spaß  bei eurer Tour