Von Schwelle zu Schwelle

Eine Wanderung auf dem alten Schienenstrang im Schatten der Kaolingrube


Strecke:

Schwellenband, Naturweg

Länge:

2,8 km

Aufstieg gesamt:

5 m

Abstieg gesamt:

5 m

Zeit:   

51:24 Minuten


Schon lange hatte ich mir die Wanderung auf dem alten Schienenstrang der Anschlußbahn zum ehemaligen VEB Mineralstoffgemische Hohburg (Minho) vorgenommen. Obwohl Winter, hatte ich einen Sonnentag ausgewählt und machte bei angenehmen Temperaturen eine schöne Wanderung. Der Start erfolgt am Bahnhof Zschepa-Hohburg (Höhenmesser 130 Meter), den südlichen Gleisanlagen. Der verlassene Bahnhof befindet sich im Ort Kleinzschepa an der Bahnstrecke von Wurzen nach Eilenburg. Hier zweigt das Gleis der Anschlußbahn zum VEB Mineralstoffgemische Hohburg ab. Die Beschilderung steht auch 20 Jahre nach der Stillegung der Bahn immer noch. Telegraphenmasten, Holzmastleuchten und alte Peitschenlampen prägen diese einstige Bahnstation. Ich beginne auf dem Schwellenband in Tritt zu kommen. Von der Anschlußbahn wurde auch das ehemalige Agrochemische Zentrum Kleinzschepa (ACZ) bedient. Nach den schönen Holzmastleuchten nach oben und nicht auf das Gleis schauend, knicke ich trotz stabiler Wanderschuhe um. Scheibenkleister, nach einigen Übungen wird die Tour fortgesetzt. Bereits nach 100 Metern zweigt das erste Gleis in eine der ehemaligen Hallen des ACZ ab. Nach einem kurzen Abstecher zu der Halle setze ich meine Tour fort. Vereinzelt schimmern die alten Gleise durch das dünne ausgetrocknete Gras. Ich erspähe einen ersten Kilometerstein, wenig später den nächsten und bemerke nicht das ich beobachtet werde. Ein verwitterter Schädel von einem Reh zwinkert mir zu. Nach etwa 300 Metern passiere ich den ehemaligen Bahnübergang an der Ortsverbindungsstraße von Kleinzschepa nach Lüptitz. Auf dem ehemaligen Bahndamm stehen alte Landmaschinen. Hier verlief parallel ein Stumpfgleis von der Getreidehalle des ACZ. Nach wenigen Metern erreiche ich einen kleinen Bahnübergang an der Getreidehalle. Mittlerweile muß ich mich durch erstes Gestrüpp kämpfen und sehe ein Schild da liegen. Neugierig drehe ich es um und richte es auf. Auf dem Schild steht: Grenze der Anschlußbahn ACZ / VEB Minho. Nach wenigen Metern passiere ich den ehemaligen Bahnübergang, Zufahrt Kaolingrube. Das Gleis verläuft nun durch die Bungalowsiedlung. Das Gestrüpp wird immer mehr, auch die geliebten Brombeeren sind dabei. Schade das noch keine Früchte dran sind, aber da hätte ich den Wandertermin zu einem anderen Zeitpunkt wählen müssen. Stützmauern sichern den Hang. Schließlich erreiche ich den Bahnübergang direkt an der Nordkante der Kaolingrube der nur für Fußgänger und Radfahrer passierbar war und ist. Die Andreaskreuze stehen noch. Die Kaolingrube, der Name sagt es, hier wurde Kaolin von 1901 bis 1965 abgebaut. Kaolin ist ein Grundstoff der keramischen Industrie. Seit dem ich mich erinnern kann wird die alte Kaolingrube als Badegewässer genutzt. Das weiße Kaolin hat auch Flecken auf meiner Luftmatratze zurück gelassen. Beim Sonnenbad oder paddeln auf der Luftmatratze sah man hier täglich die Werklok V15 mit ihren Wagen vorbei rumpeln. Für uns als Kinder immer ein Erlebnis. Ausgeträumt und weiter gewandert. Die Wanderschuhe und Stulpen bewähren sich, die Brombeersträucher erweisen sich wieder als sehr hartnäckig. Nördlich des alten Gleiskörpers neben der Straße befindet sich die Abraumhalde. Dort stehen auch noch die beiden alten Brückenpfeiler für die Feldbahn die den Abraum auf die Halde befördert hat. Nach wenigen Metern stehe ich am Betriebsgelände des ehemaligen VEB Mineralstoffgemische Hohburg (Minho). Hier sieht man ganz deutlich das sich die Natur ihren Lebensraum zurück erobert hat. Beim genaueren hinsehen entdecke ich noch einige alte Schwellen und eine Signalkappe. Die letzten Meter bis zum alten Lokschuppen sind ein Klacks. Nach 32:50 Minuten habe ich die 1,4 Kilometer lange Strecke der Anschlußbahn erwandert und wie so oft sehr viele Bilder geknipst. Der Höhenmesser zeigt 5 Meter mehr als am Start an. Nun ist das ja nicht sehr lange gewesen, aber die gewonnen Eindrücke werden haften bleiben. Für den Rückweg benötige ich 18:34 Minuten.

Erfolgte einst auf dem Bahnhof Zschepa-Hohburg reger Personen-und Güterverkehr, so liegt heute fast alles brach. Ein mit einer Dampflok verziertes Haus knüpft an alte Erinnerungen an. Im Jahr 1992 wurden über diesen Bahnhof alle Fahrzeuge und Truppen der Sowjetarmee aus der Garnision Wurzen verladen und in die Sowjetunion zurück verlegt. Später wurde das Bahngelände zum großen Lagerplatz alter Holzschwellen, Jahre später erfolgte die ...  Entsorgung. Im Winter 2010/2011 wurden einige Weichen im Bahnhofsbereich zurück gebaut. Über die Bahngleise zwischen Lüptitz und Eilenburg rattern mehrfach täglich die schweren Schotterzüge aus dem Steinbruch Lüptitz.

Sehenswert ist einige hundert Meter nördlich des Bahnhofes das Viadukt über den Bach Lossa.     

Viel Spaß bei eurer Tour