Von Schwelle zu Schwelle

Eine Wanderung auf dem alten Schienenstrang vom Wurzener Lokschuppen zum Goldenen Tälchen und weiter zur Wasserglas

Strecke:                       Schwellenband

Zeit:                             1:30:00 Stunden

Waren wir als Kinder im Freibad Zum Goldenen Tälchen in Dehnitz baden, so wurden wir oftmals durch das rumpeln der Güterwagen auf der Bahnbrücke des oben vorbeiführenden Gleises abgelenkt. Vor Jahrzehnten war noch die Muldentalbahn bis nach Grimma unterwegs, dann wurde der Personenverkehr und schrittweise der Gütertransport zu den Betrieben entlang der Bahnstrecke eingestellt. Hinter dem Tälchen wurde der Schienenstrang zurückgebaut und mit einem Asphaltband versehen. Es ist ein ausgezeichneter Radweg zwischen Dehnitz und Grimma für die Pedalritter, Inliner und auch für die Rollis geschaffen wurden. An sonnigen Tagen ist mit reichlich Gegenverkehr zu rechnen. Aber auch an den Straßenübergängen muß dem Autoverkehr der querenden Straße die Vorfahrt gelassen werden. In der heutigen Zeit, ich beziehe mich auf das Jahr 2008, wird nur noch der Gleisanschluß der Wasserglasfabrik bedient. Natürlich hat auch dieser Betrieb mehrmals seine Bezeichnung geändert, die Menschen dieser Region sprechen aber immer noch von der "Wasserglas". Auf meiner Fototour  am 31. August 2008 (bei Sonnenschein in kurzer Hose und Kopftuch) und am 26. Oktober 2008 konnte ich noch einige Bilder knipsen und die eine  oder andere interessante Beobachtung machen.

Auf mein Fotomotiv, den wöchentlichen Güterzug zur Wasserglasfabrik, wartend, vertrat ich mir die Beine und erkundete diese Schienenstränge. Ich begann meine Tour am alten Bahnerhäuschen am Bahnübergang oberhalb des Goldenen Tälchens. Von Schwelle zu Schwelle wanderte ich in Richtung Wurzen bis zum alten Lokschuppen. Nach einigen Minuten passierte ich den unbeschrankten Bahnübergang in der Nemter Straße hinter der Gärtnerei Thiele. Übrigens, im Jahr 1991 fuhr an diesem Bahnübergang ein PKW Opel aus Richtung Nemt kommend in eine Diesellok BR106. Die Lokomotive schob den PKW reichlich hundert Meter auf den Schienen vor sich her, der Unfallverursacher verstarb noch an der Unfallstelle. Eines der schrecklichen Bilder was mich beim befahren von Bahnübergängen zur Vorsicht mahnt. Es gibt eben nicht immer schöne und nette Erinnerungen im Leben. Auf den anliegenden Feldern trifft man sehr oft auf Rehwild, die Vagabunden die ihren Müll in Unmengen hier entsorgen sind etwas scheuer. Unbeeindruckt dessen begab ich mich auf den Rückweg ab dem Lokschuppen. Gleichmäßig bewegte ich mich wieder von Schwelle zu Schwelle und querte nun meinen Ausgangspunkt am alten Bahnwärterhäuschen das seit Jahren von einer Familie bewohnt wird. Auf dem Bahndamm legte ich nun die letzten Meter bis zum Viadukt an der Ostkante des Goldenen Tälchen zurück. Unmittelbar vor dem Viadukt ist eine Weiche eingebaut, hier befindet sich der Abzweig zur Wasserglas. Das „Hauptgleis“ führt etwa noch 200 Meter weiter, dann beendet ein Prellbock und sehr viel Gestrüpp die Tour nach Süden. Die Bahnschwellen lassen ihre Verlegung nur erahnen, aber auch im Bahnhof Nizza wo der TGV lang fährt sind diese nicht wesentlich besser. Richtet man den Blick nach Westen so erspäht man den Fluß Mulde. Um 180 Grad gedreht und zu Fuß zurück. An der Weiche links haltend und trotz verschlossener Gleissperre weiter gewandert. An einer weiteren der nun folgenden Weichen teilen sich die Gleisanschlüsse zum Altwerk Wasserglasfabrik (Ende der 90 er Jahre abgerissen und scheinbar renaturiert) oberhalb des Flußes Mulde und Neuwerk, am Wachtelberg, rechter Abzweig. Am 31. August 2008 erwanderte ich die Gleise zum Neuwerk. Die Gleise verlaufen hier in einem kleinen Geländeeinschnitt. Jedoch ist kurz hinter der Brückenwaage der Zaun des Betriebsgeländes. In diesem Jahr wurde der wöchentliche Zug vom Bahnunternehmen Connex fast immer mit einer „BR110“ jetzt V 141 der RBB bzw. V145 der BCB bedient, zum innerbetrieblichen rangieren wird ein Mercedes Unimog eingesetzt. Am 26. Oktober 2008 erwanderte ich den schon seit vielen Jahren stillgelegten Abzweig zur alten Wasserglas die schon mehrere Jahre abgerissen ist. Die Natur erobert sich hier ihr Reich recht schnell zurück. Also diesmal auf dem linken Abzweig unterwegs muß nun eine kleine Steigung bewältigt werden. Hinter einer Weiche fiel mir auf, das an den Gleisen die Muttern und Federringe fehlten, ein Stück später fehlten kleine Stücke der Schienen. Werkzeug und großes Gerät (Bagger für Eisenbahnverkehr mit Wagen) ließen schnell darauf schließen das diese Gleisanlage zurück gebaut wird. Das Gleis war frei von Buschwerk und kleinen Bäumchen, eine Wanderung bis hinter die Kuppe zum längst vergammelten Prellbock am Felseinschnitt war somit ungehindert möglich. Der Rest des alten Schienenstranges bis zur Brücke an das Gelände des ehemaligen zurück gebauten Altwerkes liegt ohnehin im Wasser. Übrigens, von der Straße mit dem Namen Am Wachtelberg kann man die Reste dieser alten Bahnanlage bestaunen. Nach einigen geknipsten Bildern setzte ich zum Rückweg an und erwartete den wöchentlichen Zug.

Ich bin mir sicher, bei meinen Touren haben mich die Naturschutzwächter um Klaus Zeibig vom Bismarckturm aus dem Areal Wachtelberg mit ihren Feldstechern bereits bei Zeiten erspäht. Nun noch einige Tipps um andere interessante Gegebenheiten in diesem Gebiet. Der aus Bruchsteinen und Lüptitzer Quarzporphyr in den Jahren 1908/1909 auf diesem felsigen Untergrund erbaute Bismarckturm, später auch Wachtelbergturm genannt, ist 19,4 Meter hoch. Er steht auf dem Wachtelberg 148,5 MüNN im Kernbereich des Naturschutzgebietes. Von seiner Aussichtsplattform kann man bei guter Sicht bis 40 Kilometer weit schauen. Dieses Gebiet ist das älteste Schutzgebiet für Pflanzen in Deutschland. Dank der Naturverbundenheit und Heimatliebe einiger Naturfreunde konnte hier die Kuhschelle (Osterblume) überleben. Wer in diesem Gebiet wandert darf die Wege nicht verlassen, bitte beachtet dies. Ca. einen Kilometer entfernt kann mit einer Personenfähre (Transport von Fahrrädern, Kinderwagen und Rollstühlen möglich) über den Fluß Mulde von Dehnitz nach Schmölen übergesetzt werden. Im angrenzenden Planitzwald braucht man mehrere Wochen um alle Wege abzuwandern. Es besteht auch die Möglichkeit vom Fährhaus Dehnitz mit einem kleinen Boot auf dem Fluß Mulde zu fahren. Auf der westlichen Seite des Wachtelberges befindet sich das ehemalige Medizinische Reservelager Dehnitz, ein Objekt der Landesverteidigung der DDR. Einst wurde hier die komplette Palette an Pharmazie -und Krankenhausausstattungen, die so genannte A und B Reserve, also jene für die bewaffneten Organe der DDR und für die Zivilverteidigung der Bevölkerung im Falle der Überführung in den Verteidigungszustand oder einer Katastrophe gelagert. Materielle Mittel für die medizinische Sicherstellung des Kreises Wurzen, der Karl-Marx-Universität Leipzig und den Stab der Zivilverteidigung (ZV) des Kreises Wurzen. Ständig besetzt mit vier technischen Kräften erfolgte der Betrieb, für die Wälzung zusätzlich mit einem Apotheker und einer Pharmazieingenieurin besetzt. Die materiellen Mittel der ZV wurde durch ihre eigenen Angehörigen des Stabes verwaltet. Dieses Objekt war mir direkt bis 1990 unterstellt, es war das größte Objekt seiner Art im Bezirk Leipzig. Zum schmunzeln, mittlerweile 18 Jahre nach der Auflösung steht seine Tel.Nr. 4469 immer noch im Telefonbuch im Ortsnetz Wurzen. Aber da der kalte Krieg vorbei ist, der Plan der Maßnahmen und der Plan der Überführung glücklicherweise nicht in Kraft traten, wird dieser Gebäudekomplex jetzt zivil genutzt. Ein Cafe lädt die Wanderer und Radler zur Einkehr ein, den anderen Teil nutzt ein Agrarbetrieb.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden fast überall eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Viel Spaß bei eurer Tour