Karpacz (PL) (840m) – Schr. Nad Lomniczka (PL) (1002m) – Slaski Dom (PL) (1400m) –

Sniezka (PL) (1602m)/ Snezka (CZ) (1602m) – Slaski Dom (PL) (1400m) –

Lucni Bouda (CZ) (1410m) – Slaski Dom (PL) (1400m) –

Schr. Nad Lomniczka (PL) (1002m) – Karpacz (PL) (840m)

Strecke:                   Beton, Naturwege, Geröll, Holzsteg

Länge:                     ca. 22,5 km

Aufstieg gesamt:       918 m

Abstieg gesamt:        895 m

HF-Durchschnitt:      98 S/min

Maximalpuls:            154 S/min

Temperatur:             13 Grad

Zeit:                        6:18:55 Stunden


Wir, Kerstin und Frank, begannen unsere Tour in Karpacz (840m). Das idyllische Karpacz befindet sich in Polen nördlich der Sniezka/ Schneekoppe (1602m) im Karkonosze/ Riesengebirge.

Nachdem unser erster Versuch die Sniecka/ Schneekoppe (1602m) aus Richtung Karpacz Mitte November 2008 infolge des erheblichen Neuschnees und großer Verwehungen unterhalb des Slaski Dom (1400m) scheiterte, erfolgte Ende September des Jahres 2009 ein erneuter Versuch diesen Berg von Norden her zu erwandern.

Nach einem reichhaltigen Frühstück begannen wir 07.40 Uhr in Karpacz, in der Straße Karkonoska, unweit der Straße Kamienna mit unserer Wanderung. Die Höhenmesser programmierten wir auf 840 Meter. Gut gelaunt stiefelten wir mit Rucksack und Wanderstöcken in Richtung der Straße Olimpijska zum Eingang in den Karkonsze/ Riesengebirge(s) Nationalpark. Von nun an auf Naturwegen unterwegs wurden mit zügigem Schritt langsam Höhenmeter gemacht. Nach 58 Minuten erreichten wir die Schr.Nad Lomniczka (1002m), eine urige Hütte. Auf eine Rast verzichteten wir, war doch unser Tagesziel noch weit entfernt. Wer schon einmal in dieser Region gewandert ist, hat Kenntnis das es ab hier etwas mehr bergauf geht und die breiten steinigen Querrinnen zum Wasserablauf nicht ungefährlich sind. Das rauschen des Baches Lomniczka, der stellenweise parallel zum Weg fließt, lenkt etwas ab. An der Schutzhütte begegnen wir einigen Wandrern, fröhlich rufen sie uns Dzine Dobry zu, Frank erwidert wie so oft ohne Akzent und sie denken wir sind Landsleute, den Rest verstehen wir leider nicht mehr. Es wird immer deutlicher, auf der gegenüberliegenden Talseite röhrt ein Hirsch der sich nicht erspähen läst. Der Bursche ruft lautstark in den Wald. Währenddessen werden wir schon unter seiner Kontrolle sein – Rübezahl, der Herr der Berge – meint es diesmal mit uns gut, da wir ehrliche und einfache Leute sind haben wir nichts zu befürchten. Mittlerweile sind wir in einer Region angelangt wo nur noch spärlicher Baumbewuchs ist. Kaum Wolken, die Sniezka mit dem auf ihr errichteten bekannten Bauwerk ist erstmals zu sehen an diesem Tag. Die Heidelbeeren lassen Frank immer wieder naschen, obwohl die Beeren klein und noch kalt sind, schmecken sie köstlich. Wir überqueren nach 1:29 Stunden (1193m) die Bachbrücke über die Lomnicka. Im Vergleich, im Vorjahr hatten wir bei Neuschnee 1:36 Stunden bis zu dieser Brücke benötigt. Ein bekanntes Motiv, der Wasserfall der Lomniczka, tut sich auf. Das ist die unbändige Natur. Kurz hinter der Bachbrücke gilt es nun zu steigen, denn Höhenmeter werden gefressen, aus einzelnen Steinen wird ein Meer. An größeren Steinen in einer Kehre sind mehrere Gedenktafeln angebracht. Kerstin ist gut drauf und will vermutlich den Bergziegen Konkurrenz machen. Und da sind wir schon unterhalb des gelben bekannten großen Hauses im Riesengebirge. Es dauert nicht mehr lange und wir erreichen nach 1:57 Stunden das auf 1400 Meter gelegene Slaski Dom welches wir an diesem Tag noch mehrmals queren werden. Wenige Meter neben dem Haus verläuft die Grenze zwischen Polen und Tschechien, Kontrollen finden an diesem Tag nicht statt. Der Wind pfeift ganz schön und es wird Zeit sich etwas warmes drüber zu ziehen. Gabeln mit vielen Wanderwegweisern für Wege und Hütten. Schnell einen Stempel und Stocknagel geholt, einige Erinnerungsfotos und dann die herrliche Aussicht Richtung Süden genossen. Von nun an treffen wir auf die ersten tschechischen Wandrer, zum Dzine Dobry kommt nun das Dobry` Den. Wenige Meter werden nun auf der Straße aus Kopfsteinpflaster zurück gelegt. Für uns gibt es keine Frage, wir gehen natürlich den Weg an den bekannten Ketten hoch. Vom Gipfel kommen immer mehr Rucksacktouristen in Halbschuhen, Sandalen und dünn bekleidet, Weicheier die mit dem Sessellift vom tschechischen Pec hochgefahren sind. Wir haben es geschafft, nach 2:27:35 Stunden stehen wir auf der 1602 Meter hohen Sniezka (PL)/ Snezka (CZ)/ Schneekoppe (D). Ehrlich gesagt, wir sind ganz schön gerammelt. Es ist zwar frisch aber nicht kalt, Frank bleibt bei seinem Kopftuch und läst die Bummelmütze im Rucksack. Das Wetter ist ausgezeichnet, wir genießen die Rundumsicht, sehen Slaski Dom und Lucni Bouda, unsere nächsten  Ziele des Tages und besuchen als erstes die kleine Kirche, gehen dann anschließend in die polnische Baude die auch als Observatorium bekannt ist. Leider ist diese eingerüstet und Baustelle, kein gutes Fotomotiv – Pech gehabt. Wir wählen zwischen köstlichen und wärmenden Getränken. Ihr wist ja wie das ist wenn man einmal sitzt und so vergeht die Zeit wie im Flug. Wir wagen noch einen ersten Grenzübertritt nach Tschechien, die Snezka mit ihren 1602 Metern ist der höchste Berg unseres Nachbarlandes Tschechien. Mal kurz zur Liftstation und dann besuchen wir das höchstgelegene tschechische Postamt. Es wäre Frevel wenn man von hier keine Ansichtskarte abschickt und sich den Sonderstempel sichert. Wir beginnen den Abstieg und setzen unsere Tour fort. Nun queren wir zum zweiten Mal an diesem Tag das Slaski Dom (1400m, 3:02 Stunden). Unser Ziel ist die Lucni Bouda (1410m) in Tschechien. Erneut die Grenze passiert und nun auf dem Sattel des Riesengebirges durch die Krkonosska Tundra/ Riesengebirgs Tundra über lange Strecken auf dem Holzsteg durch das Hochmoor und die Latschenkiefern gewandert. Es ist alles sehr sauber, ich kann keinen Müll in Form von Bonbonpapier, Taschentüchern o.ä. erspähen. Die Wanderer sind sehr vorbildlich - könnte es nicht immer so sein. Da taucht sie auf, die Lucni Bouda (1410m), nach wenigen Minuten erreichen wir sie auch. 3:37 Stunden haben wir bis hierher benötigt. Letztmals war ich im Jahr 1993 hier, da sind unser Sohn Eric und ich aus dem tschechischen Spindleruv Mlyn (710m) hier hoch und weiter zur Snezka (1602m) gewandert. Eric war später nochmals mit dem deutschen Kader der Skilangläufer hier oben im Trainingslager. Im Erdgeschoss strahlen uns schon frische Hörnchen und Heidelbeerkuchen an, es duftet herrlich. Im Gastraum angelangt das große Erschrecken, die Bude ist gerammelt voll. Wir finden noch zwei Plätze. Es geht fix mit der Bestellung. Kerstin will zwischendurch besagte Hörnchen und Heidelbeerkuchen holen, aber kommt nur noch mit Heidelbeerkuchen zurück, der Rest ist alle. Da kommt auch schon unser Essen und ich verblitze mir die Augen an Kerstin ihrem Palatschinken. Das hatte ich auf der Karte nicht gesehen. Hunger habe ich tüchtig und so bestelle ich mir nach dem ersten Gericht, es waren wie so oft Knödel, ebenfalls noch meinen Palatschinken. Wenige Minuten später steht er vor mir, so eine Riesenportion habe ich noch nicht gesehen, geschweige denn verspeist. Zu guter letzt geht’s an den Heidelbeerkuchen – die Wampe ist voll. Zwischenzeitlich haben wir auch neue Tischgesellschaft bekommen, zwei reife Frauen aus der Dresdener Ecke. Beide scheinen ganz schön fit zu sein und machen den Eindruck der wandelnden topographischen Karte aus dem Riesengebirge, ich kann ihnen beim erzählen gar nicht so schnell folgen. Da kann man nur erahnen wo sie seit vielen Jahren ihre Urlaube verbringen. Die Zeit ist schon wieder verflogen, wir hatten uns fest gesessen. Aufbruch und zurück in Richtung Slaski Dom (1400m) nach Polen. Der Strom der Wanderer reist nicht ab, alle nutzen das schöne Wetter an diesem Tag. Nach 4:10 Stunden sind wir am gelben Haus, dem Slaski Dom (1400m). Wir entschließen uns wieder so zurück zu wandern wie wir hier hoch gekommen sind und steigen in Richtung Lomniczka ab. Die Beine knacken fast ständig beim steigen und etwas langsamer werden wir auch. Nebenbei wird sich immer wieder nach den Heidelbeeren gebückt, frischer geht es nicht. Wir genießen nochmals die Aussicht zur thronenden Sniezka (1602m). Schließlich erreichen wir die Brücke über die Lomniczka (1193m) nach 4:54 Stunden. Dann setzt das röhren des Hirsches erneut ein, ob wir in sein Revier eingedrungen sind? Wir machen Pause und ich suche mit dem großen Objektiv die gegenüberliegende Talseite nach dem Burschen ab, finde ihn jedoch nicht. Unbeirrt wandern wir weiter und stehen wenig später an der Schr. Nad Lomniczka (1002m). Die alte Bank gegenüber der Hütte lädt zur Rast ein. Schnell haben wir Gesellschaft durch eine Katze. Lange haben wir nicht gesessen, aber der Ausgangspunkt muß ja schließlich auch mal wieder erreicht werden. Auf den letzten Kilometern wurden die Beine schwer aber keine Spur von Traurigkeit. Wiederholt plaudern wir über den Palatschinken und fassen den Entschluss am folgenden Tag erneut auf einem anderen Weg zur Lucni Bouda (1410m) nach Tschechien zu wandern, aber das wird ein anderer Bericht. Wir erreichen wieder Karpacz und am neu renovierten kleinen alten Transformatorenhaus zückt Frank nochmals die Knipse. Leider haben Spitzbuben an einer Seite schon wieder mit Farbe gesprüht. Nach ca. 10 Stunden, davon 6:18:55 Stunden reine Wanderzeit ist der Ausgangspunkt erreicht. Wir danken Rübezahl, dem Herr der Berge, ehrfurchtsvoll für diesen schönen Tag.

Unsere topographische Wanderkarte ist nun südlich von Karpacz mit den vielen Stempeln der Hütten bedruckt und wird irgendwann in einem Bilderrahmen in unserer Küche aufgehangen.   

Auf deutschsprachige Bezeichnungen der Hütten und Bauden wird absichtlich verzichtet, denn es gibt Grenzen, souveräne Staaten und eigene Landessprachen die zu akzeptieren sind.

An weiteren Tourenvorschlägen und Sehenswürdigkeiten mangelt es im Raum Karpacz nicht. Für Ruhetage - zwei Klettergärten, Wikingerkirche Wang aus Holz und ein Westerndorf.

Achtung, der Personalausweis wird an der Grenzkontrolle benötigt. Auch wenn seit der EU-Mitgliedschaft selten Kontrollen stattfinden, aber im Grenzgebiet muß man diesen bei sich tragen. Nicht zu vergessen das es zwei verschiedene Währungen (Polnische Zloty, Tschechische Kronen) zum bezahlen in den verschiedenen Ländern gibt.

Sammler von Stocknägeln, kleinen Aufklebern und Stempeln kommen überall auf ihre Kosten, man sollte allerdings seine Gedanken zusammen nehmen.

Als Kartenmaterial werden empfohlen. Topographische Wanderkarte „Karkonosze i Gory Izerske“ im Maßstab 1:25.000, ISBN 978 83-907810-4-4 (sehr gut). Oder die Wanderkarte „Karkonoze“ ebenfalls im Maßstab 1:25.000, ISBN 978-83-60975-14-5. Als Ausweichvariante kann auch die tschechische Karte „Krkonose/ Riesengebirge“ Blatt 15 im Maßstab 1:50.000, ISBN 80-7011-267-0 genutzt werden. Einen Stadtplan von Karpacz findet man unter der ISBN 978-83-60975-13-8 im Maßstab 1:7500.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß  bei eurer Tour