Marmorrunde

Montechiaro / Lichtenberg (924m) – Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (915m) – Lasa / Laas (869m) – Marmorbruch (1516m) – Lasa / Laas (869m) – Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (915m) – Montechiaro (938m)



Strecke:                  Asphalt, Rennrad möglich

Länge:                     48,1 km

Aufstieg gesamt:      790 m

Abstieg gesamt:       776 m

HF-Durchschnitt:     112 S/min

Maximalpuls:           155 S/min

Temperatur:            19 Grad, 22 Grad oberhalb Lasa

Zeit:                        3:18:03 Stunden

Wir begannen unsere Tour im Alta Val Venosta / Obervinschgau im Ort Montechiaro / Lichtenberg (924m) im südtirolischen Italien.

Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß zum Start auf 924 Meter programmiert werden, Kerstin und Frank satteln die MTB.

Bei Sonnenschein erfolgt der Start. Ohne weitere Anstrengung rollt es ganz locker entlang der Adige / Etsch, dem Hauptfluß Südtirols. Übrigens ist dieser Fluß der zweitlängste Italiens. Auf dem ausgezeichnet asphaltierten Radweg rollt es super. Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (915m) ist erreicht, am Ortseingang muß noch ein kleiner Schlängel um einen unter Anglern sehr beliebten See gefahren werden. Jetzt führt die Strecke über wenige Hundert Meter Naturweg (Steinsand). Pedaleure mit dem Rennrad können aber auf der Hauptstraße und somit auf dem Asphalt bleiben. Gut ausgeschildert gibt es keine Probleme in Richtung Lasa weiter zu fahren. Die Hauptstraße überquert, macht das treten auf dem Radweg in absoluter Ruhe wieder Spaß. Links und rechts des Weges befinden sich große Apfelplantagen und Gemüsefelder. Der Blumenkohl steht 1A. Erneut muß eine Straße überquert werden bevor es auf dem nächsten Radweg weiter geht. Schnell ist das Marmordorf Laas erreicht. Im italienischen auch Lasa Paese del Marmo. Schaut man nach rechts, so sticht einem sofort die Standseilbahn mit ihrer Ausweiche zum Transport des Marmors in die Augen. Wenige Hundert Meter später wird auch der Schienenstrang für den Marmortransport überquert. Blickt man nun in die andere Richtung, also nach links, so sieht man riesige Marmorblöcke die in einem Betrieb zur Verarbeitung bereit stehen. Die Fahrt durch den kleinen gepflegten Ort Lasa (869m), nicht zu verwechseln mit der tibetischen Hauptstadt Lhasa, ist sehr angenehm. Die Beschilderungen der Straßen sind aus Marmor, im Ort steht eine weithin sichtbare alte Wasserleitung die schon mehrere Jahrhunderte alt ist. Von der Hauptstraße im Ort muß nun nach links, in Richtung Marmorbruch, abgebogen werden. Der Kilometer 16,4 ist erreicht, die Anforderungen für die Pedaleure steigen schlagartig, bereits im Ort ist der erste kräftezehrende Anstieg. Einige Meter wieder flach und den Pflückern eines Erdbeerschlages zugeschaut. Mittlerweile sind wir im Wald. Schnell geschalten, denn in einer Kurve beginnt jetzt der wahre Anstieg, es werden Höhenmeter gefressen. Der Puls von uns klettert schnell, es ist nur noch eine Frage der Zeit das Kerstin vom Rad steigt. Sie kämpt. Ich versuche sie aufzumuntern ruhig zu treten, es nützt nichts, die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Ende Alliende. Ich trete trotz höherem Puls ruhig weiter. Und wie so oft bewährt sich ein runder Tritt. Die Kehren werden immer mehr, Höhenmeter werden jetzt richtig gefressen. Irgendwann kommt in einer Kehre eine Alm mit mehreren Hütten, hier muß sich links auf der Asphaltstraße gehalten werden. Auch ich komme an meine Grenzen, denke aber an das Tagesziel. Die Straße wird immer schmaler und der Asphalt ist auch nicht mehr der beste. Links der Straße erscheint eine kleine Haltebucht und ein Schild Platzeng sowie ein Wegweiser Marmorbruch / Cava di Marmo. Wie weiter? Soll ich die Straße verlassen und mein MTB den schmalen Weg im Wald hoch schieben. Ich bleibe auf dem Asphalt. In einer Kehre kommt es fast zum Crash. Ich fahre links um bei eventuell noch größeren Schwächen nicht den Hang runter zu segeln, von oben kommt ein Kleinwagen mit ausgeschaltetem Motor gerollt. Der ältere Herr im Auto zeigte aber noch mehr Reaktion als ich. Erneut ein grünes Schild, diesmal mit der Aufschrift Tarneller Wald, der Asphalt ist zu Ende. Ich strample nun auf Naturwegen weiter, es wird immer mühsamer, Holzfäller haben den Weg zerwühlt. Die Höhe von 1500 ist angekratzt, ich entschließe mich bei 1516 Höhenmetern am Kilometer 23,4 zu wenden. Ein kurzer Halt um meine alte Wetterjacke als Windschutz anzuziehen. Etwas zaghaft rolle ich nun die Waldwege zurück. Endlich wieder auf dem Asphalt und das Unterarmschütteln hat ein Ende. Ich rolle bergab und erwarte Kerstin unterwegs. Keiner zu sehen. Ich drehe noch eine Ehrenrunde durch Lasa / Laas (869m), auch hier erblicke ich meine Frau nicht. Scheibenkleister. Zügig fahre ich nun den Radweg durch die Apfelplantagen in Richtung Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (915m). Hinter Prato am Angelgewässer liegt gegenüber ein Bahnhaltepunkt. Ich erspähe einen gelben Wagon. Neugierig fahre ich dort hin und inspiziere diesen nostalgischen, aber sehr gut aufgebauten, Wagen. Wenige Minuten später rolle ich weiter in Richtung des Ausgangspunktes. Nach 48,1 Kilometern und 3:18:03 Stunden erreiche ich Montechiaro / Lichtenberg (938m). Meine Frau Kerstin ist nicht da. Ich verstaue mein MTB im Auto und fahre nun nochmals, allerdings motorisiert, nach Lasa und weiter in Richtung Marmorbruch. Erneut Madame nicht zu sichten. Ich fahre etwas nervös zurück, angekommen, Kerstin sitzt auf der Bank vor dem Quartier und grient. Sie hat einen prächtigen Blumenkohl dabei, was ich ja nicht weiter kommentieren muß. Sie erzählt mir das sie ihr MTB weiter in Richtung Platzeng und Marmorbruch geschoben hat und der Ausschilderung auf diesem schmalen Waldweg gefolgt ist. Als ich dann vom Berg rollte haben wir uns an dieser Haltebucht Platzeng verfehlt. Dumm gelaufen. Ich genieße am Abend noch den Blick in die Berge während Kerstin sich noch im Hallenbad tummelt und eine Bahn nach der anderen zieht.  

Natürlich habe ich zwei kleine Stücke Marmor zur Erinnerung mitgenommen. Am Abend lassen wir uns den Blumenkohl schmecken.

Sammler von Stocknägeln und kleinen Aufklebern kommen auf ihre Kosten.

Als Kartenmaterial werden empfohlen. Die Wanderkarte Obervinschgau / Alta Val Venosta im Maßstab 1:35.000 aus dem Kompass Verlag, ISBN 3-85491-580-2. Autoatlas Italien im Maßstab 1:225.000, ISBN 88-365-2240-8.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß  bei eurer Tour