Karpacz Pension Royal (800m) – Schr. Nad Lomniczka/ Hütte Fluß Lomniczka (1002m) – Brücke über Lomniczka (1186m) – Schr. Nad Lomniczka (1002m) – Karpacz (800m)

Strecke:                  Asphalt, Naturweg, Geröll ? (bei uns alles schneebedeckt)

Aufstieg gesamt:      497 m

Abstieg gesamt:       497 m

HF-Durchschnitt:     99 S/min

Maximalpuls:           147 S/min 

Temperatur:            -5 Grad

Zeit:                       3:30:03 Stunden

Eigentlich sollte die Überschrift Schneekoppe/ Sniezka (1602m) lauten, doch wir sind im Schnee versunken, dazu später mehr.

Ausgangspunkt unserer Wanderung im polnischen Karpacz (auf deutsch Krummhübel), der nördlichen Perle des Riesengebirges, war an der Pension Royal in der Straße Karkonoska im oberen Abschnitt. Wir programmierten den Höhenmesser in der Pulsuhr auf 800 Meter über Null. (Es gibt auch Aussagen das an dieser Stelle der HM auf 835 oder gar 840 Meter lt. GPS zu programmieren ist.) Es gibt drei verschiedenen Routen aus dem Ort Karpacz zur Schneekoppe/ Sniezka (1602m) aufzusteigen. Mit warmer Bekleidung, festem Schuhwerk, Stulpen und Wanderstöcken wählten wir die östlichste Aufstiegsvariante bei schon reichlich Schnee im Ort. Über die Straßen Karkonoska, Strazacka und Olimpijska betraten wir den Nationalpark Riesengebirge (Karkonoski Park Narodowy). Der Herrscher über dieses Reich ist Rübezahl, der Herr der Berge. Viele Sagen gibt es um diese Gestalt. Unmittelbar hinter der Schautafel mit der Wanderkarte waren mehrere Stapel Holz aufgeschichtet, ein herrlicher Duft zog durch den Wald. Auf den mit Pulverschnee bedecktem breiten Waldweg, auf Wanderkarten als Weg Dr. M. Orlowiza ausgewiesen,  ließ es sich recht gut wandern. Der Anstieg war mäßig. Vor uns hatte an diesem Tag Ende November noch niemand den Aufstieg versucht, unterwegs waren mehrere Spuren von Rehen und Hirschen. Nach einer Zeit von 1:04:55 Minuten passierten wir die Hütte Schr. Nad Lomniczka (1002m). Unser Höhenmesser zeigte jedoch 1024m an., doch damit können wir gut leben, kommt es uns doch vor allem nach einer Tour darauf an die bewältigten Werte zu haben. Auch hier steht wieder eine Schautafel mit einer Wanderkarte. Ohne Pause setzten wir unsere Wanderung fort. Der Weg ist von hier an schmaler und von Querrinnen zum Wasserabfluß gespickt. Obwohl ich mit den Wanderstöcken immer stochere tappe ich immer öfter in die Fallen. Kurze Zeit später bemerken wir den parallel zum Weg verlaufenden Lomniczka Bach. Leicht zu verwechseln mit dem Bach Lomnica an der westlichen Aufstiegsvariante. Wir befinden uns weiterhin im Wald, die Schneedecke ist etwas stärker geworden. Unterwegs steht eine kleine saubere Schutzhütte, für uns kein Thema, denn wir sind gut drauf. Die Bewaldung wird immer dünner, östlich des Weges sind die Ausläufer des Czarny Grzbiet (unterhalb der Czarna Kopa 1407m) zu sehen. Wäre da der starke Schneefall nicht, könnte die Sicht ganz gut sein. Der Aufstieg wird immer beschwerlicher, der Schnee immer höher. Der Weg macht jetzt einen Linksknick und führt über die Brücke des Baches Lomniczka (es sind nur zwei nebeneinander gelegte Bretter). Der Schnee auf der „Brücke“ ist hoch, etwas zögernd passiere ich sehr intensiv mit den Stöcken stochernd diesen Übergang. Herrliche Fotomotive, wie sich die letzten sichtbaren Reste des Baches durch das Winterkleid rinnen. Wenige Meter hinter der Brücke versinke ich im Schnee. Die Wühlerei beginnt. Mit den Wanderstöcken messe ich eine Schneehöhe von 110 Zentimetern. Wie weiter, guter Rat ist gefragt. Hohe Schneewehen weithin sichtbar lassen die bis hierher prächtige Stimmung sehr schnell kippen. Nach einer kurzen Beratung mit Abwägung der Erreichung unseres Wanderzieles Sniezka (pl)/ Snezka (cz)/ Schneekoppe (d) auf 1602 Metern brechen wir etwa 700 Wegmeter vor dem Slaski Dom/ Slaski Haus (1394m) unsere Tour ab. Wir befinden uns auf einer Höhe von 1186 Metern über Null, Wanderzeit 1:36:10 Stunden, sehr schade, aber Rübezahl der Herr der Berge hat über uns gesiegt. Die Sicht wird immer schlechter und bei diesem eisigen Wind ist diese Sache nicht gerade angenehm, trotz großem Kampfgeist und starken Willen müssen wir die natürlichen Grenzen gehorsam anerkennen. Verantwortung für seine Mitwanderer schreibt und spricht man mit „V“. Von einem ehemaligen Mitstudenten erfuhr ich vor und nach vielen Jahren mal wieder etwas aus dem Fernsehen und der Presse, er war tagelang an der Zugspitze im Winter vermißt, seine Füße möchte ich jetzt nicht haben. Etwas geknickt kehren wir um und treten den Rückweg an. 29 Minuten später erreichen wir die Hütte Schr. Nad Lomniczka (1002m). Eine bellender Hund kündigt uns frühzeitig an und die Hüttenwirtin empfängt uns sehr gastfreundlich. Obwohl ich mein Wörterbuch nicht zur Hand habe versuche ich es kurzerhand wie so oft in russisch mit Чай, das kennt eigentlich jeder in den ehemaligen sozialistischen Staaten. Auch hier klappt das. Mittlerweile weis ich jetzt, auf polnisch heißt dieses wärmende Getränk Herbata. Hoffentlich ist es zur nächsten Tour noch abrufbereit. Der Schäferhund macht noch einige Zeit Rabatz und beruhigt sich schließlich. Ich schaue mir die einladenden Vitrinen mit den Andenken, bei denen auch Stocknägel dabei sind, an. Wir machen es mit unserem Herbata gemütlich, der Tee schmeckt gut und ist vor allem richtig heiß. Die Zeit verrennt viel zu schnell, trotzdem müssen wir wieder aufbrechen. Draußen frieren wir die ersten Minuten, aber irgendwann kehrt wieder der Trott ein und man beachtet dies nicht mehr. Die Grenze des Nationalparks ist erreicht und wir wandern am Straßenrand weiter. Neugierig machen wir einen Abstecher zur Liftstation, hier ist aber noch geschlossen und unser Ziel, Schneekoppe, kann auch so nicht erreicht werden. Der Weg bis zu unserem Quartier ist nicht mehr weit, trotz Niederlage ging eine schöne Wanderung durch die winterliche Natur nach rund dreieinhalb Stunden zu Ende. Für uns steht fest, wir nehmen diese Tour bei sommerlichen Bedingungen irgendwann nochmals in Angriff. 

Sammler von Stocknägeln und anderen Andenken werden überall ausgezeichnet bedient und kommen voll auf ihre Kosten.

Der westliche Wanderweg von Karpacz zur Schneekoppe beginnt an der Kirche Wang. Eine alte Wikingerkirche aus Norwegen die in Karpacz neu aufgebaut wurde. Eine Besichtigung lohnt sich auf jeden Fall, die schriftlichen Erläuterungen gibt es auch in deutscher Sprache. Aber auch ohne Erläuterungen werdet ihr begeistert sein.

Eisenbahnfreunde finden in diesem Zipfel nördlich der Schneekoppe nur wenige Exponate die an rauschende Zeiten der Bahn erinnern. Auch wenn auf den Atlanten und Karten noch Gleise und Bahnhöfe eingezeichnet sind, es sieht aber meist sehr unschön aus. Am Schienenstrang vor Karpacz säumen noch Telegraphenmasten die Schienenschneise. Der Bahnhof Karpacz war im Jahr 2008 recht verfallen, lediglich gleisseitig war die Front des Bahnhofsgebäudes und ein Güterschuppen in einem einladenden Zustand. Auf den Gleisen stand eine Draisine. Ein Verein führt dort zu unbestimmten Zeiten Fahrten mit diesem Teil durch, seinerseits gibt es wohl Überlegungen eine Schmalspurbahn oder Normalspurbahn zu betreiben. 

Als Kartenmaterial werden empfohlen. Stadtplan Karpacz/ Krummhübel im M 1:7.500 mit der ISBN 978-83-60975-13-8 .Ich habe die Wanderkarte „KARKONOSZE I GORY IZERSKIE“ im Maßstab 1:25.000, ISBN 978 83-907810-4-4 vorgezogen. Es gibt aus meiner Sicht noch eine fast genau so gut aufgearbeitete Wanderkarte mit dem Namen „POLSKIE i CZESKIE KARKONOSZE“ ebenfalls im Maßstab 1:25.000 mit der ISBN 978-83-60975-14-5.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß  bei eurer Tour