Auf Schusters Rappen von Davos nach Arosa

Davos Uf den Höfen (1545m) – Davos-Frauenkirch (1545m) – Stafelalp (1875m) – Stafler Berg – Schutzhütte (2290m) – Schwifurgga (2486m) – Furgaalp (1668m) – Stausee (1599m) – Untersee – Obersee – Bahnstation Arosa (1725m)


Strecke:                         Naturwege, Geröll, Schneefelder, wenig Asphalt

Länge:                           ca. 18 km

Aufstieg gesamt:             1204 m

Abstieg gesamt:              1022 m

HF-Durchschnitt:           109 S/min

Maximalpuls:                 159 S/min

Temperatur:                  über 0 Grad Celsius

Zeit:                             6:51:35 Stunden


Frank wollte mit Kerstin einmal mit dem enzianblauen Zug der Rhätischen Bahn (RhB) von Arosa nach Chur auf einer der schönsten Bahntrassen des schweizer Kantons Graubünden fahren. Allerdings erst nach der Wanderung von Davos nach Aroso. Also wurde im Jahr 2010 dieses Ziel verwirklicht.

Der Höhenmesser muß zum Beginn der Wanderung auf 1545 Meter programmiert werden.

Wahlweise kann der Ausgangspunkt zu dieser schönen Tagestour im schweizerischen Davos (1560m) an der Bahnstation Davos Platz (1560m) oder jedem beliebigen Ort begonnen werden. Wir begannen unsere schon lange geplante Wandertour in Europas höchstgelegener Stadt Davos am westlichen Ortsrand Uf den Höfen (1545m) an unserem Quartier. Das Wetter schien geeignet für so eine lange Tour und so marschierten wir erst einmal entlang des Landwassers bis nach Davos-Frauenkirch (1545m). Das rauschen des Baches wurde an diesem Tag durch frisch ausgefahrene Jauche umrahmt und war besonders für die Nase „angenehm“. Von Davos-Frauenkirch gibt es mehrere Wege in Richtung des nächsten Wanderpunktes Stafelalp (1875m). Wir entschieden uns gleich am östlichen Ortsrand für den steilen Asphaltweg. Zur einen Seite schmuck bepflanzte einfache Grundstücke und zur anderen Seite die schöne kleine Kirche dieses Ortes. (Zum verwechseln ähnlich mit dem Bau in Sertig Dörfli.) Schnell werden Höhenmeter gefressen, der Puls rast und aus dem Asphaltweg ist nach wenigen Hundert Metern ein Kiesweg geworden. In einer Kehre muß der Weg nach links (Westen) verlassen werden. Von nun an geht es auf Naturwegen durch eine Alp, der Weg führt dann in den Wald und es wird sehr steil. Wurzeln spicken den Weg und mahnen zur Aufmerksamkeit. Die Pumpe (das Herz) scheint im Grenzbereich zu sein. Aber da es ein Tagesziel gibt kommen keine schlechten Gedanken auf. Die Teleskopwanderstöcke sind an diesem Tag wieder einmal sehr nützlich. Nach 1:18 Stunden ist die Stafelalp (1875m) erreicht. Die Hütte hat geschlossen und so geht es nach einem kleinen Schluck aus der Trinkflasche zügig weiter. Vereinzelt ziehen Wolken auf und es ist schnell kühler geworden. Auf den saftigen Almwiesen stehen rechts und links Kühe die uns ungläubig hinterher schauen. Die Meter zum Stafler Berg ziehen sich angenehm, der Puls schlägt wieder normal. Enzian säumt den Weg. Die Murmeltiere haben uns schon längst erspäht und pfeifen um ihre Kumpels zu warnen. Wir können keinen dieser trolligen Gefährten sichten. Einige Zeit wandern wir nun schon auf unbefestigten Wegen und können nur mit Mühe die Wegmarkierungen ausmachen. Die Murmel haben so viele Löcher gegraben das hochkonzentriert gewandert werden muß. Immer öfter versperren uns die Wolken die Sicht. Und wie aus dem Nichts tauchen in einer Steinmulde vor uns zwei prächtige Steinböcke auf. Nach 2:52 Stunden passieren wir eine kleine Schutzhütte (2290m) die von Hirten genutzt oder zum biwakieren gedacht ist. Und wieder haben wir Glück. Ein Steinbock schaut uns von einem Felsvorsprung einige Minuten an bevor er das Weite sucht. Hier ist es mittlerweile so kalt das wir warme Kleidung, Mütze, Handschuhe und Regenbekleidung anziehen. Um weitere Wildbeobachtungen schneller durchführen zu können hängt Frank sein Fernglas um, was sich später als Fehler erweist. Die Verbindung zwischen Pulsgurt und Uhr reist ab (siehe Kurve). Der „Weg“ ist fast flach und nur langsam werden noch Höhenmeter gemacht. Durch die vereinzelt aufziehenden Wolkenlöcher ist die Aussicht gigantisch. Doch kurze Zeit später ist die Stimmung bei uns sehr betrübt. Vor uns ist ein Schneefeld an einem Hang mit großem Gefälle. Wie weiter, sind wir doch schon über dreieinhalb Stunden unterwegs und die Schlüsselstelle greifbar nah. Frank beschließt das Schneefeld im unteren Bereich, verbunden einigen Metern absteigen, zu überqueren. Gesagt – getan. Doch dann ergibt sich plötzlich das nächste Problem, Scheibenkleister. Auf der anderen Seite des Schneefeldes ist der Hang schlammig und glatt, es sind nirgends Steine als Steighilfen auszumachen. Mit Mut und voller Konzentration geht’s weiter. Frank geht voran und als er oben ist folgt Kerstin. Hut ab das das meine Frau mitgemacht hat. Wir haben die Schlüsselstelle Schwifurga (2486m) nach 3:45 Stunden erreicht. Wurde der Fotoapparat infolge des nassen Wetters geschont, hier mußten aber einige Erinnerungsfotos nicht nur zum Beweis gemacht werden. Nach wenigen Sekunden erfolgt der steile Abstieg durch Geröll in Richtung Arosa. Auf einem kleinen Plateau entdeckt Frank ein Rohr mit einer Lochzange wie beim Orientierungslauf. Gleichmäßig steigen wir ab bis wir eine etwa einen Kilometer lange Mulde mit Schnee erreichen. Die nächste Wegmarkierung erspähen wir auf der anderen Seite. Die Angelegenheit scheint leicht und wir entschließen uns sogar auf dem Schnee längs in der Mulde abzusteigen. Das hat sicherlich besser funktioniert als ständig den steinigen Weg und immer mal auf Schnee zu wandern. Ein Alpensalamander ruht sich auf dem Weg aus. Wir befinden uns inmitten einer scheinbar unberührten Natur und haben ein herrliches Wandererlebnis. Irgendwann stehen wieder Kühe auf den Hängen und ein Notstromaggregat macht Krach. Burschen werkeln an einer Almhütte. Der Weg führt nun durch den Wald und uns kommen nach Stunden die ersten Menschen mit ihrem vierbeinigen Gefährten entgegen. Nach etwa 6 Stunden passieren wir die Furgaalp (1668m). Wir bewegen uns mittlerweile oberhalb des Stausees, nach wenigen Minuten stehen wir auf der kleinen Staumauer (1599m). Übersichtliche Wanderkarten auf großen Tafeln laden die Touristen ein ihre Wege zu gehen. Trotz dieser stationären Karte zückt Frank seine Wanderkarte, ein Orientierungsverlust (OV) ? Es nützt nichts, wurde die letzten Stunden bergabwärts gewandert gilt es jetzt erneut Höhenmeter zu machen. Auf einem kleinen Bahnübergang die Eisenbahngleise überquert ist Arosa am Baustoffwerk erreicht. Vorbei am Untersee und den prächtigen Villen wird nun auf Asphalt die letzten Meter straff bergauf gewandert. Der Obersee mit seiner bekannten Fontäne und unser Ziel die Bahnstation Arosa (1725m) sind nach 6:51:35 Stunden erreicht. Kerstin war stolz diese nicht leichte Wandertour bewältigt zu haben. Ein Erinnerungsfoto vor der Fontäne inmitten dieser herrlichen aber kommerziell genutzten Bergwelt mußte sein. In der Reihenfolge: Bahnfahrkarten kaufen, Stocknagel besorgen, Bahnanlagen und Fahrzeuge knipsen, Eis schlecken und Ansichtskarten schreiben verging die Zeit rasend schnell. Und ihr wißt ja wie das ist wenn man stundenlang gewandert ist und erst einmal sitzt.

Frank hatte sich vor diesem Wanderurlaub neue Wanderschuhe gekauft und bei kürzeren Touren eingelaufen. Keine Druckstellen, keine Blasen, die Investition hat sich gelohnt.

Unsere fast 20 Jahre alten Teleskopwanderstöcke bewährten sich auch diesmal.

Endlich erfolgte nun die Rückfahrt mit dem Zug. Den enzianblauen Zug gibt es leider nicht mehr komplett, einige Wagen dieser Farbgebung sind in verschiedenen Zügen der RhB getrennt unterwegs. Die Zugfahrt von Arosa über gigantische Brückenbauwerke und eine herrliche Natur mit ihren Steinpyramiden im Gründjitobel bis nach Chur der ältesten Stadt der Schweiz und auch Kantonshauptstadt des Kantons Graubünden war ein Erlebnis. Da hatte Frank im Jahr 2008 Glück noch mit diesem prächtigen blauen Zug gefahren zu sein. Umsteigen und auf dem Bahnhof Chur erst einmal die vielen schönen Lokomotiven knipsen. Die zweite Etappe der Zugfahrt erfolgte von Chur nach Filisur. Höhepunkt war dabei natürlich die Überquerung des Landwasserviaduktes. Die dritte Etappe der Rückfahrt erfolgte von Filisur nach Davos. Die Höhepunkte, das Wiesner Viadukt, den Bärentritt und die Zügenschlucht – kennen die meisten In Davos angekommen mußten nun noch 20 Minuten zu Fuß bis zu unserem Quartier bewältigt werden, aber das war ein Klacks.

Am Tag danach wurde erst einmal etwas ruhiger getreten.

Eines möchte ich euch nicht verschweigen, dieser Tag war der einzige mit Wolken, Regen und Kälte innerhalb unseres vierzehntägigen Aufenthalts in Davos, aber das ist eben nun mal so wenn man es nicht abwarten kann die Schuhe zu schnüren. Bleibt auch zu bemerken, 13 Tage war es sehr warm – hätten wir bei solchen Temperaturen diese Tour geschafft ? Seit 1997 haben wir in Davos nicht so gleichbleibend gutes und warmes Wetter erlebt.

Einige Tage später sind wir bis auf den Weissfluhgipfel (2838m) gewandert. An diesem Tag war sehr schönes Wetter und ausgezeichnete Sicht. Mit bloßem Auge konnte man hinter den Bergketten Arosa (1725m) sehen, wir staunten nicht schlecht welche große Entfernung wir zurückgelegt hatten.

Ihr habt es sicherlich mitbekommen, Eisenbahnfans kommen bei dieser Tour im zweiten Teil voll auf ihre Kosten.

Als Wanderkarten sind für diese Tour zu empfehlen: „Davos-Wanderland“ Sommerkarte im M 1:50.000, aus dem OF Orell Füssli Verlag, ISBN 3 907 57006 5 oder „Davos, Arosa, Prättigau, Klosters“ im M 1:50.000 aus dem Kompassverlag, ISBN 978-3-85491-462-4. Letztgenannte hat einen besseren Blattschnitt im Gebiet Arosa und ist günstiger.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß  bei eurer Tour