Breithorn bei Zermatt 4165m / Schweiz

Wie sagt man so schön, ein Altweiber Viertausender den jeder bezwingen kann.
Voraussetzung ist natürlich, gute Kondition ist vorhanden, daß Wetter spielt mit und die Ausrüstung stimmt.

Steigeisen feste Wanderschuhe, Steigeisen, Klettergeschirr, Eispickel, Seil, Sonnenbrille, Nasenschutz, warme Bekleidung mit Oma, Mütze und Handschuhen, Rucksack, Verpflegung, Getränke, Streichhölzer, Stirnlampe, Wanderkarte und Kompass, Fernglas werden unbedingt benötigt !

Von Zermatt aus kann das Breithorn (4165m) bewandert werden. Aber wie so oft spielt die Zeit eine große Rolle und es wird die Seilbahn zum Kleinen Matterhorn genommen. Es sollte zeitig früh mit einer der ersten Gondeln hoch gefahren werden. Ganz wichtig ist es, vor dem Kauf des Fahrscheins, sich zu erkundigen ob ab der Mittelstation die Bahn weiter fährt. Sturm und vereiste Seile stören manchmal den Betriebsablauf.

1996, am 2. Juli, plante ich den Aufstieg in der verkürzten Variante, also mit der Seilbahn. Am Trockener Steg auf 2939m (Mittelstation) war Schluß, wie schon erwähnt vereiste Seile und Sturm machten der weiteren Gondelfahrt einen Strich durch die Rechnung. Nach einer Stunde vergeblicher Wartezeit entschloß ich mich mit zwei englischen Alpinisten den Aufstieg zu wagen. Links liegend, also westlich, erhebt sich das Matterhorn (4478m). Vor uns, dort wie die Seile der Seilbahn verlaufen, erhebt sich das kleine Matterhorn (3796m). Wir gehen westlich entlang. Vorbei an der Gandegghütte (3030m) erfolgte der straffe Marsch über den Theodulgletscher. Der „Weg“ bis auf den Theodulpass (3317m) ist der erste Etappenabschnitt. Auf 3201m steht die italienische Hütte Rif. del Teodulo. Für eine Rast wäre es noch zu zeitig. Von hier aus kann schon das nächste Ziel, Testa Grigia (3480m) ebenfalls eine Hütte auf dem Plateau Rosa passiert werden. Der Weg führt durch ein Sommerskigebiet wo die Alpinskifahrer wie so oft wenig Rücksicht auf andere nehmen. Unserer Aufstieg führt nun südlich und etwas unterhalb entlang des Kleinen Matterhorn. Eine beeindruckende aber gefährliche Gletscherwelt offenbart sich. Spalten, Spalten, Spalte !!! Vorbei am von uns südlich liegenden Breithornpass (3824m) erfolgt nun der mittlerweile immer kräftezehrendere Aufstieg. Der Sturm fegt uns fast weg und die Zeit wird immer knapper, die Sicht ist fast bei Null, wir entschließen uns schweren Herzens zum Abbruch. 4:15 Stunden waren wir bis hierher unterwegs bei zügigem Schritt. Nach einer kurzen Pause erfolgt der Abstieg, er geht erstaunlich schnell. Etwas bedeppert das es nicht geklappt hat treffe ich meine Familie in Zermatt wieder.

1996, 4. Juli, heute, im zweiten Anlauf, muß es klappen. Den ersten Teil der Wanderung erspare ich mir, ich kenne es ja schon. Im Tunnel an der Seilbahnstation bereite ich mich zum Gipfelaufstieg vor. Bei allen wo sich der Prasympatikus bemerkbar macht, eine gute Toilette ist hier vorhanden. Angekleidet beginne ich die Tour alleine. Nach einiger Zeit im Schnee und Eis schnalle ich die Steigeisen an. Schließlich ist der Hang 35 Grad steil. Einzelne Gletscherspalten tun sich auf. Das Wetter ist diesmal ausgezeichnet, die Sonne schien und der Aufstieg wird zum Erlebnis. Nach 1:30 Stunden stehe ich auf dem Gipfel des Breithorns (4164m). Ein herrliches Panorama tut sich bei prächtiger Sicht auf. Das Dach Europas, der Montblanc mit 4807m im Westen und der Dom mit seinen 4545m im Osten hinterlassen einen gewaltigen Eindruck bei mir. Ich stehe inmitten über dreißig Viertausender in diesem Gebiet und bin den Göttern verdammt nah. Die Fotoapparate werden ausgetauscht und man lichtet sich gegenseitig ab. Die Zeit verrinnt irrsinnig schnell. Circa fünf Seilschaften sind gleichzeitig auf dem Gipfel. Der Abstieg geht rasant schnell, die Stellen mit den Gletscherspalten hatte ich mir gemerkt. Bereits nach 40 Minuten schnalle ich meine Steigeisen am Kleinen Matterhorn ab.

1996, 7. Juli, eigentlich hatte ich mit meiner Frau besprochen das ich mit Eric zur Hörnli Hütte unterhalb des Matterhorns wandern wollten. Auf der Fahrt von unserem Quartier in Täsch (hier ist es wesentlich preiswerter als in Zermatt), das Wetter war ausgezeichnet, unterhielt ich mich mit meinem Stammhalter ob er nicht auch einmal auf einem Viertausender stehe möchte. Eine kurze zackige Antwort von dem Burschen – Ja. Und so disponierte ich schnell um.
Auffahrt wie 4. Juli, allerdings hatte Eric der damals gerade einmal 8 Jahre alt war keine Steigeisen. Angeseilt wurde zügig aufgestiegen. Jedoch hatten sich die Stellen mit den Gletscherspalten verändert. Ich wurde mächtig vorsichtig. Auch mit meinem Sohn benötigte ich keine zwei Stunden für den Aufstieg. Mit einer herrlichen Aussicht wurden wir belohnt. Auf unserer Internetseite könnt ihr in der Galerie einige Fotos ansehen.
Der Abstieg erfolgte nun in etwas veränderter Form. Runter vom Breithorn und vorbei am Kleinen Matterhorn. Eric zog seinen Regenumhang aus Folie an, zog sich die unteren Zipfel durch die Beine und rutschte den Hang auf dem Sportler mit Alpinski unterwegs waren runter. An der Hütte auf dem Plateau Rosa erfolgte eine Rast. Die Wanderung durch den dann schon aufgeweichten Schnee wird immer beschwerlicher. Das Ziel, Trockener Steg ist erreicht.
Wie so oft - Fotos, Stempel und Stocknägel bleiben zur Erinnerung.
Zwei Tage später war meine Nase und mein Mund voller Blasen. Waren es Erfrierungen oder Verbrennungen. Der zufällig dort weilende Arzt Dr.Andreas Günther staunte nicht schlecht. Er legte sich auf Verbrennungen fest. Die reflektierte Sonne im Schnee wirkte unwahrscheinlich. Die kommenden zwei Wochen ernährte ich mich nur von Suppe, Pudding und Eis. Mildernd wirkte ein Panthenol-Stift mit dem ich die Lippen eincremte. Um dies zu entgehen empfehle ich nicht nur bei kaltem Wetter eine Oma und auch ein Nasenschutz an der Brille.
Obwohl wir unsere Touren sehr zügig bewältigten hatten wir zu keiner Zeit Kopfschmerzen.
Wer noch gut drauf ist kann einen weiteren Viertausender, den Pollux, machen. Hier werden aber auf jeden Fall Steigeisen benötigt.
Empfehlenswert erscheint mir eine Wanderkarte aus dem Verlag Kümmerly+Frey, M 1:60.000, das Blatt „Viege-Zermatt-Saas Fee-Grächen“ (ISBN 3-259-00822-6). Auch mit diesem Maßstab kommt man gut hin.

Achtung, im Hochgebirge schlägt das Wetter schnell um !

Viel Spaß