Wurzener Silvesterlauf

Lauf zur Jahrtausendwende – aus dem Jahr 1999 ins Jahr 2000 gelaufen

Stundenläufe mit Musik erfreuten sich Ende der siebziger Jahre immer größerer Beliebtheit. So organisierte Frank am 31. Dezember 1980 den ersten Silvesterlauf mit Musik in Wurzen. Gelaufen wurde auf einer 400 Meter langen Runde um den Bürgermeister-Schmidt-Platz. Im ersten Jahr gab es für alle Teilnehmer Startnummern und Erinnerungsurkunden. Jeder mußte seine Runden selbst zählen, Vertrauenssache, es gab einen sogenannten Orientierungsläufer (schneller Läufer dessen Runden offiziell gezählt wurden) der ein Startnummernhemd an hatte und man mußte sich somit nur die Anzahl der Überrundungen merken. Das war eine damals übliche Variante und die einfach aber gut funktionierte.

Am 31. Dezember 1981 fand dieser Lauf bei Schnee statt. Der Start war am Zwiebelturm, der Ostseite des Bürgermeister-Schmidt-Platzes und in der ersten Linkskurve rutschte Frank gleich aus und küßte den Schnee. Die Freude war groß. Aber auch die anderen Kontrahenten Bernd Jackstatt (6. Platz Rennsteiglauf 75km) oder Andreas Rettig (mehrfacher Medaillengewinner bei DDR und BRD Meisterschaften) legte es irgendwann in den Schnee. Das Tempo war sehr hoch, man bekam den Eindruck, manche müßten am letzten Tag des Jahres noch alles nachholen was sie während der letzten 12 Monate vergeigt hatten. Am Ende siegte Frank mit 16620 Metern in 60 Minuten. Auch da gab es nur die Teilnehmerurkunde und die offizielle Ergebnisliste. Das war in Ordnung so. Am Abend ging die Trainingsgruppe zu einer gemütlichen Silvesterfeier in den Gasthof Sachsendorf. Die Wurzener Silvesterläufe wurden Tradition.

Aber auch die Wurzener Schwimmer stellten etwas kurioses auf die Beine – ins Wasser. Beim sogenannten Silvester-Karpfen-Schwimmen wurden einige Karpfen in das Schwimmbecken der Volksschwimmhalle gesetzt. Mit etwas Glück erwischte man so einen Fisch und hatte sein Silvestermal selbst gefangen. Ob nun das Chlor die Karpfen müde machte oder die Fangvariante mit Wollhandschuhen zum Erfolg beitrugen, es blieb ungeklärt, es muß aber jährlich ein Riesenspaß gewesen sein. Da ich die Silvesterläufe organisierte konnte ich diesem Gaudi nicht beiwohnen. Aus organisatorischen Gründen (Strom für die Musikanlage, Toiletten, Umkleidemöglichkeiten) verlegten wir den Lauf um den Rat des Kreises Wurzen, also um rund 150 Meter. Das störte damals keinen und die Läuferschar wuchs von Jahr zu Jahr. Inspiriert von dieser Karpfensache kauften wir dann, beginnend irgendwann, jährlich am 30. Dezember Nachmittags drei Karpfen im Fischgeschäft für den Sieger und die Plazierten des Silvesterlaufes. Ich war im Jahr 1988 für die Beschaffung der Karpfen verantwortlich gemacht wurden und hatte keine Ahnung von Fischen. In einer alten Zinkwanne mit Wasser ließ ich die Burschen in unserem Keller übernachten. Als ich am Silvestertag die Karpfen kontrollierte schwammen sie alle drei recht schräg. Mehrfacher Wasserwechsel und andere Wiederbelebungsvarianten hatten sich ausgezahlt, ich konnte nach dem Lauf die Karpfen zappelnd überreichen. Glück gehabt. Im kommenden Jahr wurden wir als Organisationsteam nicht mehr gewollt. Hatten wir im verkehrten Betrieb gearbeitet, waren wir schlecht, ja warum erschienen die letzten Jahre zu Silvester immer über 100 Läufer ?

In der neuen Zeitrechnung organisierte der Wurzener Triathlonverein Silvesterläufe im Stadtpark. Das waren ebenfalls Stundenläufe mit Musik auf einer 440 Meter langen kurvigen, schwer zu laufenden, Runde. Die Teilnehmerfelder wuchsen enorm an, viele wollten ihre bunten Sachen zeigen. Die letzten 20 Minuten war man dann unter sich auf der Laufstrecke. Eric nahm jährlich an diesen Silvesterläufen teil. Wenn es Frank dienstlich möglich war nutzte er auch diese Form mit anderen Sportlern zu laufen. Allerdings beharrten die Organisatoren vom Triathlonverein immer darauf das sie die ersten Wurzener Silvesterläufe organisiert hatten. Ein komprimierte Form der Verachtung der Leistung und der Organisatoren die sich ab 1980 gefunden hatten. Man verachtete uns ungeschminkt und öffentlich.

Am 31.12.1999 lief Eric beim Silvesterlauf im Stadtpark 30 Minuten und schaffte 7040 Meter, er sollte sich ja für den „Nachtlauf“ schonen. Frank hatte am 30.12.1999 und am 01.01.2000 jeweils 12 Stunden Tagdienst und konnte nicht dabei sein. Aber die wenigen Stunden zwischen Dienstende und Dienstbeginn wurden zu einem der schönsten Erlebnisse die man als Familie und auch als Sportler haben kann. 

Vom alten ins neue Jahrtausend laufen war doch schon etwas besonderes.

Da wir zu dieser Zeit lebten, sportlich und für alles interessante zu haben waren, war es uns möglich dieses außergewöhnliche Läufchen vom Jahr 1999 in das Jahr 2000 durchzuführen. Am 31.12.1999, 23.55 Uhr starteten Eric und Frank mit einer Taschenlampe und in Laufschuhen und Sportsachen ihr eigenes Silvesterläufchen zur Jahrtausendwende. Gelaufen wurde in Wurzen von der Theodor-Körner-Straße durch die Gartensparte Windmühle. Die Feiernden vor der Gaststätte Windmühle staunten nicht schlecht, reagierten schnell, machten den Weg frei und waren wie immer sehr freundlich. Wir liefen in der Dunkelheit bis in den Stadtpark und dort die 1 Kilometer lange Runde herum, der Rückweg führte ebenfalls durch die Gartensparte zurück bis zum Ausgangspunkt. Insgesamt waren wir somit 3 Kilometer unterwegs. Am 01.01.2000, etwa 00.08 Uhr war das Ziel erreicht und Kerstin wartete mit extra dafür gestalteten Medaillen und Urkunden am Ziel. Ja, das war schon was.   

Wir sind vom alten ins neue Jahrtausend gelaufen, hatten Spaß und haben eine schöne Erinnerung.

Seit einigen Jahren machen wir das ganz anders.

Am 31. Dezember, 23.10 Uhr, jeden Jahres wird von der Theodor-Körner-Straße in Wurzen, egal welches Wetter oder andere Beschwerlichkeiten herrschen, auf den Spitzberg gewandert. Das ist ein kleiner Steinberg aus Quarzporphyr der von 1888 bis 1928 als Steinbruch genutzt wurden ist. Für den Hinweg von unserer Haustür sind es genau 3,0 Kilometer bis auf den Spitzberg bei Lüptitz. Von hier aus hat man nicht nur bei prächtigem Wetter eine großartige Aussicht, Ruhe und ist in der Natur. Von diesem wunderschönen Plätzchen genießen wir die Jahreswende und schauen über Lüptitz, Wurzen, Machern, Nischwitz, Eilenburg und Thallwitz. Einige andere kleine Gruppen die jedes Jahr in diesem idyllischem Gebiet wandern wagen jedes Jahr in der Silvesternacht ebenfalls den Aufstieg auf diesen Steinberg. Wenn es dann etwas ruhiger geworden ist wird der Heimweg angetreten, das sind somit die ersten 3 Wanderkilometer eines jeden neuen Jahres. Etwa 01.30 Uhr, am 01. Januar, ist der Ausgangspunkt, unsere Wohnung, erreicht. Damit sind wir nicht nur dem langweiligen Fernsehprogramm aus dem Weg gegangen, wir haben eine für uns schöne nichtalltägliche Wanderung absolviert.

So hat jeder seine eigene Art das alte Jahr zu verabschieden, ich bin mir sicher es gibt noch viele andere sehr schöne Traditionen zum Jahreswechsel.

Viel Spaß