Unterwegs bei den Schildbürgern - Schildbürgerwanderweg

Strecke: Asphalt, Kopfsteinpflaster, Naturwege

Länge: 27,1 km
Aufstieg gesamt: 145 m
Abstieg gesamt: 147 m
Maximalpuls: 150 S/min
Temperatur: 23 Grad im Schatten
Zeit: 1:22:31 Stunden

Die Tour in unserem Nachbarkreis Torgau-Oschatz am Rande der Dahlener Heide hatte ich mir schon lange vorgenommen. Eine Radwanderung durch Gneisenaustadt Schildau auf den Spuren der Schildbürger „Schiltbürger“ und ihrer lustigen Streiche sollte etwas für Abwechslung sorgen. Diesmal ging es nicht darum Kilometer und Höhenmeter zu fressen, vielmehr wollte ich etwas lustiges erleben und einige Fotos machen.
Bevor ich meine Radtour begann lenkte ich mein Auto nach Schildau, früher wohl Schilda genannt und holte mir im Museum der Schildbürger einen kleinen Wanderführer. Schließlich wollte ich ja alle lustigen Wappentafeln mit den Streichen der Schildbürger finden.
Der Start erfolgte auf dem Parkplatz an der Straße zwischen Falkenhain und Schildau an der Forstbaumschule.
Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß auf 163 Meter programmiert werden.
Wie so oft war ich mit meinem MTB unterwegs und nur mit dem Fotoapparat bewaffnet. Schon am Ortseingang aus Richtung Wurzen kommend begrüßte mich ein lustiges Schild mit der Aufschrift „Willkommen in der Stadt der Schildbürger“. Ein Schiltbürger saß auf einem Steckenpferd. Solche Schilder stehen an allen Ortseingängen. Ich hielt mich aber nicht an den ausgewiesenen Schilbürgerwanderweg in Schildau (Schilda). Zu zwölf der fünfundvierzig Streiche aus dem Schilbürgerbuch stehen an Originalschauplätzen Tafeln. Nicht alle sind leicht zu finden, denn einige stehen etwas versteckt.
Aber nun endlich zur Tour. Ich fahre so wie mich die Speichen ziehen. Unweit der Kirche, südliche Kirchhofsmauer, steht neben der Hauptstraße neben einer Hecke die erste Wappentafel (Nr.6). „Wie die Schildbürger eine Kuh auf die Mauer zogen“. Ich rolle einige Meter zurück und biege zweimal rechts ab. Die Wappentafel Nr. 9 „Wie die Schildbürger des Maushundes Herr wurden“. Danach weiter auf dem Kopfsteinplaster gekurbelt und auf der nächsten Hauptstraße (Sitzenrodaer Straße) rechts abgebogen. Unmittelbar vor der Wurstfabrik steht hinter der Umfriedung die Wappentafel Nr. 8. „Wie die Schildbürger eine lange Wurst machten“. Mit dem Rad gewendet und schüchtern eine Frau gefragt, wo es zum Salzberg geht. Also von der Wurstfabrik zurück in Richtung Ortsmitte und an einem unscheinbaren Feldweg nach links die Straße verlassen. Das muß es sein, echtes Salzkraut mit dem die Schildbürger Salz anbauten. Rechts zwischen Büschen steht etwas versteckt die Wappentafel Nr.7. „Wie die Schildbürger Salz anbauten.“ Auf der Hauptstraße zurück zum Markt. Das dreieckige Rathaus sehe ich nicht, aber die Wappentafel Nr.1 erspähe ich sofort. „Wie die Schildbürger Licht ins Rathaus brachten“. Aber auch Bürger die mit originellen Gefäßen Licht in Säcke zum weiteren Transport fangen kann ich nicht sichten. Hier muß ich allerdings bemerken, ein schlechtes Fotomotiv – die zwei benachbarten Schilder, Abschleppen Privatgrundstück und Fußweg passen überhaupt nicht dazu. Schade. Mir passiert eine Panne, mein Stift fällt auf den Boden, ich bücke mich vom Rad aus und komme an die Pulsuhr. Den Rest könnt ihr erahnen. Sch ... Am Ende der Tour addiere ich die Daten der zwei Pulsuhrdateien. Weiter orientiere ich mich an dem ergatterten Plan und komme wenig später zu Wappentafel Nr.10. „Wie die Schildbürger ihren Kaiser begrüßten“. Wer es nicht weiß, es war auf einem Steckenpferd. Nun beginnt die Suche nach Tafel Nr. 2, ich frage erneut einen Schiltbürger ob ich in der richtigen Straße bin. Mürrisch antwortet er ja, aber verrät mir nichts weiter. Ich finde die Tafel nicht und fahre somit zum Seebad, hier sollen ja zwei weitere Tafeln stehen. Gleich rechts sehe ich Wappentafel Nr. 11. „Wie die Schildbürger ihre Beine wiederfanden“. Tafel 12 soll gleich in unmittelbarer Nähe stehen? Lange Suche und Befragung der Bademeisterin, sowie eines älteren Herren im FDA der NVA (Felddienstanzug der Nationalen Volksarmee), beide wissen von nichts. Alle Wege in der Siedlung um das Bad fahre ich ab, aber nichts. Ich trete den geordneten Rückzug an, an einer Kreuzung frage ich doch noch einmal, der junge Bursche im Multicar kennt sich aus. Der Rahmen von der Tafel steht im Bad, sie wird neu gemacht. Pech gehabt. So soll es sich wohl zugetragen haben: In Kriegszeitenbrachten die Schildbürger ihre Rathausglocke in Sicherheit und versenkten sie im Seebad. An der Stelle, wo sie die Glocke ins Wasser versenkten, schnitten sie eine kerbe in den Bootsrand, damit sie ihre Glocke später wieder aus dem See holen können. Sie fanden jedoch diese Stelle im Wasser nie wieder. Aber er verrät mir auch wo die Tafel 2 unweit des Marktes steht. Zurück geradelt nach Schildau, jetzt weiss ich es ja. Marktstraße und neben der Sparkasse geht eine gut getarnte Einfahrt rein. Ich stehe vor der Wappentafel 2 „Wie die Schildbürger einen Brunnen ausmessen“. Auf der Gefällestrecke rolle ich über die Ampelkreuzung in Richtung Eilenburg. Am Heidelbach steht links neben der Straße die Wappentafel 3. „Wie ein Schildbürger mit dem Mühlstein am Hals weglief“. Wenige Meter später biege ich von der Hauptstraße nach links ab und sehe rechts die nächste Tafel, es ist die Wappentafel Nr. 4 „Wie die Schildbürger einen Krebs zum Tode verurteilten“. Wenige Meter später komme ich an die letzte Tafel auf meiner Tour, es ist die Wappentafel 5. „Wie die Schildbürger das Bauholz ins Tal brachten“.
Aber ich war nicht nur in einer Narrenstadt. Hier wurde der große preußische Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau am 27.Oktober 1760 geboren. Auf dem Markt steht ein Denkmal.
Ich verlasse mit meinem MTB wieder Schildau und rolle in Richtung Wurzen, an der Forstbaumschule biege ich nach rechts auf einen Waldweg in Richtung Schildbergturm ab. Vorbei an Wittes Steinbruch erreiche ich bald die Grenze zwischen den ehemaligen Königreichen Sachsen und Preußen die 1818 festgelegt war. Sie war ein Ergebnis des Wiener Kongresses (1815) und des Sieges über Napoleon. Preußen erhielt als Mitglied der Siegermächte große sächsische Gebiete. Die neue Grenze teilte die Dahlener Heide fast 140 Jahre. Erst 1952, mit Auflösung der Länder, hatte die Grenze endgültig ihre Bedeutung verloren. Eine Tafel und ein Grenzstein erinnert an jene grüne Grenze. Wenige hundert Meter weiter biege ich nach rechts ab. Auf knurzeligen Wegen fresse ich Höhenmeter. Vorbei am Abzweig zum Napoleonstein erreiche ich unmittelbar das Plateau des Schildberges auf 215 m NN. Hier steht der weithin sichtbare Schildbergturm. Turmhöhe 25m, Durchmesser 5,10m, erbaut 1936 aus Quarzporphyr. Die Einweihung erfolgte am 19. Juli 1936. Heute dient dieser Turm als Aussichts-und Feuerwachturm. Er ist nur zeitweise geöffnet.

Als Kartenmaterial wird ein Wanderführer „Auf den Spuren der Schildbürger durch die Stadt Schildau“ empfohlen. Die Wander-und Radwege in der Dahlener Heide sind sehr gut ausgeschildert.
Von Natur kann nicht mehr die Rede sein, aber wir fanden eine saubere Umgebung vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Viel Spaß bei eurer Tour