Wurzenpass / Korensko Sedlo (1073m) - Radendorf (A) (554m) - Wurzenpass /

Korensko Sedlo (1073m) - Podkoren (SLO) (854m)

Strecke: Asphalt, Rennrad möglich
Länge: 20,2 km (18 % auf 4,5km)
Aufstieg gesamt: 571 m
Abstieg gesamt: 781 m
HF-Durchschnitt: 139 S/min
Maximalpuls: 173 S/min
Temperatur: 19 Grad im Schatten
Zeit: 1:13:50 Stunden

Irgendwann, es mag schon einige Jahre her sein, entdeckte ich auf einer Landkarte den Alpenübergang Namens Wurzenpass. Als gebürtiger und seßhafter Wurzener wurde ich regelrecht von diesem Passnamen verzaubert und fühlte mich herausgefordert. Als faszinierter Sport-, Natur-und Bergfan integrierte ich den Ritt über diesen Pass auf meinem Fahrrad in unsere diesjährige Urlaubsplanung.
Der Wurzenpass ist 1073m hoch (auf slovenisch Korensko sedlo 1073m) und befindet sich in den Julischen Alpen, er bildet die Grenze zwischen Österreich (Bundesland Kärnten) und Slovenien. Er ist unweit Villach. Über ihn geht eine asphaltierte Straße die mit dem Auto und Fahrrad (Rennrad und MTB) befahrbar ist. Sie ist nicht übermäßig frequentiert.
Aus logistischen Gründen begann ich meine Tour mit dem MTB auf dem Wurzenpass (1073m).
Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß zum Start auf dem Wurzenpass auf 1073m programmiert werden.
Gleich von Beginn an ist hohe Konzentration gefragt, Richtung Österreich ist das Gefälle bis 18 % steil. Der Asphalt ist gut, Schlaglöcher kann ich nicht erkennen. Schnell hat man das österreichische Radendorf (554m) erreicht. Für mich war es der Wendepunkt, der gleichzeitig der Beginn des Aufstieges war. Rechts und links der Straße stehen saftige Wiesen mit allerlei Blumen, ein Zeichen der heilen Natur. Nach wenigen hundert Metern bin ich im Wald. Hinter einer Rechtskurve steht ein Schild mit 18% Steigung auf 4,5 km, es verrät was mir blüht. Zeit zum schalten bleibt noch, ich wähle schnell vorn das kleine Blatt und hinten das mittlere Ritzel. Ich habe Mühe die Steigung zu ertreten, in mir stellt sich die Frage, warum ich mich auf so eine Schinderei eingelassen habe. Aber der Gedanke als Wurzener den Wurzenpass mit dem Rad zu erklimmen ist doch stärker. Wenige Autos überholen mich, ein Trost bleibt „Ohne Saft keine Kraft“ und so quälen sie ihre Motoren den Pass hinauf. Auch der Inhalt meiner Trinkflasche wird schnell weniger, das Wasser schmeckt köstlich. Mittlerweile habe ich einen runden Tritt gefunden, Kehre für Kehre bewältige ich und fresse schnell Höhenmeter. Die letzte steile Rampe verlangt noch einmal meine ganze Kraft und vor allem eine gehörige Portion Willen ab. Meine Frau Kerstin steht am Pass und feuert mich die letzten Meter kräftig an. Geschafft, der Wurzenpass / Korensko Sedlo (1073m) ist erklommen. Ein obligatorischer Fotohalt, die wärmende Wetterjacke angezogen und weiter wird gerollt. Auf dem Pass befindet sich die Grenzkontrolle von Österreich und Slovenien, ein gültiger deutscher Personalausweis genügt zum Grenzübertritt. Ich winke mit meinem Ausweisdokument und die Grenzer auf beiden Seiten signalisieren mir die ungehinderte Durchfahrt. Ehe ich mich versehe bin ich schon in der Abfahrt, mit großem Respekt ziehe ich immer mal an meinen Bremshebeln und drossle die Geschwindigkeit. Die Wetterjacke flattert. Der erste Ort im ehemaligen vereinten Jugoslawien, dem Reich Titos, ist erreicht. Ich rolle im ersten Ort in Slovenien ein. Da ich für meine Tourenplanung keine aussagefähige Autokarte von Slovenien bekommen hatte, mußte ich mich überraschen lassen wo ich ankomme. Es ist der Ort Podkoren (854m). 20,2 Kilometer sind bewältigt, obwohl ich noch fit bin muß ich durch diesen Orientierungsverlust meine Tour beenden. Etwa 15 Häuser und kein Kirchturm oder Spitzbube zu erspähen. Auf der Kreuzung steht ein Wegweiser – links Italija und Ratece, rechts Ljubljana und Jesenice. Ich sattle endgültig ab und verstaue mein MTB im Begleitauto.
Schließlich treffe ich doch eine Frau in dieser menschenleeren Gegend, sie verrät mir das 2 km weiter der Ort Kranjska Gora am Fuße des höchsten slovenischen Passes, dem Vrsic (1611m), ist. Schnell wird noch mit dem Auto hoch gefahren. Der Aufstieg von Kranjska Gora zum Pass ist fast durchweg mit Kopfsteinen gepflastert, Rennräder kommen jedoch durch. An jenem Tag (22. Mai 2006) lag oben links und rechts der Straße etwa noch 3 bis 4 Meter hoch der Schnee. Der Magen knurrt, der Mittagstisch ruft. Bei einer ausgedehnten Mittagspause genießen wir in Kranjska Gora bei sommerlichen Temperaturen den Blick in die Julischen Alpen. Eine Autokarte über diese kleine Alpenrepublik konnte ich dort auch erstehen und so fällt die kommende Planung zum Ritt über weitere Alpenpässe in fremden Gefilden leichter.
Übrigens, eine Tour durch die drei Länder Österreich, Slovenien und Italien ist hier möglich. Von Podkoren (SLO) bis zur italienischen Grenze sind es nur 4 km. Unmittelbar vor der Grenze befindet sich die Schanzenanlage von Planica.
Für Militaristen, vor der letzten Rampe am Wurzenpass auf österreichischer Seite befindet sich ein Bunkermuseum, im kalten Krieg Befestigungs-und Verteidigungsanlage der Österreicher.
Auch die Sammler von Stocknägeln kommen in Kranjska Gora auf ihre Kosten.

Als Kartenmaterial werden Autoatlas Österreich 1:100.000, Haupka Verlag ISBN 3-89513-113-x, Autoatlas Italien 1:225.000, Touring Club Italiano ISBN 88-365-2240-8, Autokarte Slovenien 1:300.000, Geodetski Zavod Slovenije ISBN 961-90088-4-3, empfohlen.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.
Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß bei eurer Tour