Montechiaro / Lichtenberg (938m) – Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (913m) – Trafoi (1532m) - Passo dello Stelvio / Stilfser Joch (2758m)



Strecke:                  Asphalt, Rennrad möglich

Länge:                     30,0 km

Aufstieg gesamt:      1810 m

Abstieg gesamt:       50 m

HF-Durchschnitt:     137 S/min

Maximalpuls:           157 S/min

Temperatur:            20 Grad Montechiaro, 30 Grad auf 2000 HM, 19 Grad P. dello Stelvio auf 2758 HM

Zeit:                       3:54:03 Stunden

Es sollte der absolute Höhepunkt meiner bisherigen Ritte mit dem MTB auf die Alpenpässe im Jahr 2007 werden. Entsprechend der Wettervoraussage plante ich für Samstag oder Sonntag diese anspruchsvolle und sehr wetterabhängige Tour. Diese sollte mich von Montechiaro über den Passo dello Stelvio, den Umbrailpass hinunter nach S.Maria im Münstertal zum Ausgangspunkt Montechiaro über 66,2 Kilometer führen. Bereits am Freitag beim Frühstück sah ich zu den Berggipfeln, blauer Himmel und nur wenige Wolken, das musste der Tag sein an dem es losgehen sollte.

Ich begann meine Tour in der autonomen Republik Südtirol in Italien. In Montechiaro / Lichtenberg (938m) wurde das MTB gesattelt. Diesmal allerdings mit einer größeren Lenkertasche in der ausreichend Proviant, meine alte Wetterjacke, ein Pullover, eine lange Hose, Bummelmütze und lange Handschuhe waren. Dazu natürlich der digitale Fotoapparat und einige Akku. Zwei Wasserflaschen in den Körben müssten reichen. In der Satteltasche Reserveschlauch und was man sonst noch für eine kleine Reparatur benötigt. Ein Rücklicht wird für diese Tour benötigt.

Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß zum Start auf 938 Meter programmiert werden, Frank rollt unterhalb der Schlossruine in Montechiaro / Lichtenberg (938m) los. Bis Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch (913m) sind es etwa 3 Kilometer, genau richtig zum einrollen. Herrliches Wetter was soll da noch schief gehen.

Das Rad rollt gut und ich bin bissig. Bereits am Ortsausgang von Prato allo Stelvio / Prad am Stilfser Joch wird man erstmals bei dieser Tour am KM 4,5 verzaubert. Ein Einheimischer hat Marderpfähle beidseitig der Straße aufgestellt, sie bunt bemalt und allerhand Knochen daran aufgehangen sind. Auch sein Haus wird von Knochen geziert, die benachbarte Felswand trägt Felsmalereien. Kurz dahinter befindet sich das Ortsausgangsschild, auf dem kleinen Parkplatz stehen Begleitfahrzeuge der Pedaleure, einige Radler machen sich für den Ritt auf diesen außergewöhnlichen Alpenpass fertig. Die Straße verläuft etwa parallel zum Rio Solde / Suldenbach. Am KM 7,1 wird die Siedlung Stilfserbrücke erreicht. Die Brücke über den Bach wird am KM 7,5 passiert. Jetzt beginnt der eigentliche Anstieg, er ist lang und fordert schon einen runden Tritt. KM 8,8, es wird durch den Ort Gomagoi (1231m) gerollt. Am KM 9,6 zweigt nach rechts die Straße nach Stelvio / Stilfs (1324m) ab. Am KM 9,7 zweigt nach links die Straße nach Solda / Sulden (1860m) ab. Fahrer, meistens sind es die Frauen der Pedaleure, die die Begleitautos fahren, stehen am Straßenrand fotografieren und feuern auch andere Radler an. Diese trifft man nun ständig bis zur Passhöhe. Am Ortsrand steht wie in so vielen Taleingängen ein mächtiger oberirdischer Bunker. Ich bleibe aber auf der Hauptstraße und rolle weiter, nun entlang des Rio Trafoi / Trafoier Bach. KM 10,9, es geht durch die erste Galerie. Es ist darin nicht sehr dunkel, Rücklicht ist aber dennoch notwendig. Die erste Kehre, da die Nummerierung aber vom Pass aus beginnt, ist es Kehre 48 am KM 11,4. bereits am KM 11,5 wird durch Kehre 47 gerollt. Am KM 11,8 wird erneut über eine Brücke, es ist die Trafoier Bach Brücke, gerollt. Der Ort Trafoi (1532m) ist nach 13,2 Kilometern erreicht. Von hier aus kann bei guter Sicht erstmals der Ortler (3905m), der höchste Berg der Ostalpen, erspäht werden. In diesem Ort steht das Nationalparkhaus (KM 13,8), ein Besuch ist sehr zu empfehlen. Allerdings nicht während der Tour, denn wie auch ich wollen die meisten in einem Ritt durchkurbeln. In der Kehre, die nicht bezeichnet ist, aber wohl die Nummer 46 sein muß, steht das Hotel Thöni (benannt nach dem Olympiasieger), die olympischen Ringe sind weithin sichtbar. Bereits zweihundert Meter weiter am KM 14,0 wird die Kehre 45 passiert. Jetzt wird die Sache schon wesentlich interessanter. Wurde bis hierher immer entlang der Waldkante gefahren, verschwindet der Pedaleur nun zwischen den urig gewachsenen Bäumen. Es wird spürbar wärmer, der Schweiß läuft wie aus Kannen. KM 14,6, nach links der Abzweig zum Ort Sant.Delle Tre fontane / Heilige Drei Brunnen (1605m). Es wird weiter auf der Hauptstraße gerollt. KM 15,2, Kehre 44. Oh, jetzt wird es spürbar steiler. KM 15,4, Kehre 43, sie ist sehr steil. Zum Glück ist an diesem Tag der Fahrzeugverkehr sehr gering und ich kann wie andere auch die ganze Straßenbreite, wenn notwendig nutzen. Die nächsten zwei Kehren sind gut zu fahren. Das Wasser aus der Trinkflasche schmeckt köstlich. Aber in den Kehren 40 und 39 wird es wieder sehr steil. Der Asphalt ist gut und mit einem runden Tritt klappt das schon. In der Kehre 32 am KM 18 steht ein altes Gasthaus mit dem Namen: Zum weißen Knitt. Von hier aus sieht man schon mal wieder das Stilfser Joch. Nach Kehre 29. am Kilometer 21, nach meinem Höhenmesser bei genau 2000 Höhenmetern, gibt es einen mächtigen Knall. Ich schaue mich schlagartig um und stelle fest das weit und breit keiner zu sehen ist, sofort steige ich ab da mein Hinterrad nicht mehr rollt. Scheibenkleister, mein Hinterrad ohne Luft. Ich denke kein Problem und will mein Rad bis in die nächste Kehre schieben da da eine Haltebucht ist. Vor allem ist es dort flach und ich kann gerade stehen. Denkste, mein Hinterrad dreht sich nicht mehr, ich schaue genauer hin und stelle fest, die Felge ist wie aufgesprengt. Sie ist über mehrere Zentimeter regelrecht aufgedrückt. Wie weiter? Begleitpersonen aus einem französischem Auto bieten mir Hilfe an, einladen und mit hoch nehmen. Ich lehne dankend ab. Ich hänge die Bremse aus und fange an zu schieben, schließlich habe ich ein Tagesziel. Die Temperatur ist mittlerweile auf 30 Grad zwischen den Bäumen geklettert. In meinen alten harten Turnschuhen schiebe ich nun von Kehre zu Kehre und erobere nur langsam Meter. Nach wenigen hundert Metern ist der Reifen runter, ich spanne das Hinterrad aus und entledige mich vom zerfetzten Schlauch und dem noch fast neuen Reifen. Kommt mir doch die Idee aufzusteigen und auf der Felge zu fahren. Denkste, das Hinterrad dreht durch. Viele haben Mitleid, ein Hinterrad für ein MTB hat leider niemand dabei. Viele bieten mir an das Rad ins Auto zu laden, wie gesagt, ich will ankommen egal wie. Irgendwann verlasse ich den Wald und bin nun voll der Sonne ausgesetzt. Da kommt doch ein Pedaleur von hinten angestrampelt, dem Dialekt nach war es ein Bürger aus den alten Bundesländern. Sie haben wohl vorn MTB Felge und hinten eine Rennradfelge drauf? Ich dachte ich spinne. Nebenbei das war kein Spaß. Ich schob unbeeindruckt weiter, er kurbelte weiter, stieg aber in der nächsten oder übernächsten Kehre vom Rad ab. Ich kann es euch jetzt schon verraten, ich erreichte zu Fuß vor diesem Wunderling auf seinem Fahrrad den Pass. An der Kehre 21 auf 2191 Höhenmetern ist der Abzweig zum Hotel Franzenshöhe. Ich habe einen ausgezeichneten Ausblick auf die Stilfser Joch Straße und zur Passhöhe. Auch der Ortler scheint mir unentwegt zuzuschauen. Die Schilder mit den Nummerierungen der einzelnen Kehren scheinen nicht abzunehmen. Nur mühsam geht es voran, zwischen 3,5 und 5,5 liegt meine Wandergeschwindigkeit. Die Schuhe scheuern, ich habe große Blasen, wie man so schön sagt,  luftbereift. Die eine Socke hat schon eine eigenartige Färbung. Wenigstens habe ich noch genug Wasser. Die Passhöhe „kommt“ immer näher, ich wandere immer lockerer obwohl ich ganz schön fertig bin. Von der Passhöhe jubeln mir Leute zu, ich wandre, die letzten Meter kommen sie mir entgegen und feuern mich an. Endlich geschafft, mit Muskelkraft habe ich  den Passo dello Stelvio / Stilfser Joch (2758m) bezwungen. Den Göttern ein ganzes Stück näher. 3:54:03 Stunden habe ich für die 30,0 Kilometer benötigt, davon knapp 10 zu Fuß. Ich kann wieder lachen. Einige Minuten muß ich warten, dann bin ich am Schild zum obligatorischen Passfoto dran. Immer noch bestaunen Leute mein Hinterrad. Ich schiebe mein Rad noch einige Meter weiter bis zum Gedenkstein für Faust Coppi. Der benachbarte Kioskbesitzer kommt mit einem Pokal für das Erinnerungsfoto. Ich muß ja wieder zurück, meine Etappe über den Umbrailpass und weiter durch das Münstertal kann ich leider nicht fortsetzen. Plötzlich kommt der Linienbus, der Kioskbesitzer dolmetscht beim Busfahrer, mein MTB wird eingeladen. Ich rolle im Bus runter vom Pass zurück nach Prato. So hatte ich mir die Abfahrt nicht vorgestellt, aber trotzdem eine schöne Aussicht. Am Fahrradgeschäft in Prato lädt mich der freundliche Busfahrer aus. Ich telefoniere mit meiner Frau um die Werkstattrechnung in Grenzen zu halten. Der Schlosser lacht, holt ein neues Hinterrad und der Rest kommt aus meinen Reserven die mittlerweile meine Frau angeliefert hat.

Zurück im Quartier schimpfe ich immer noch wie ein Rohrspatz, erfreue mich aber an dem köstlichen Abendessen und meiner geliebten Vita Cola. Immer noch nicht die Schnauze voll, plane ich schon den nächsten Tag und den Abschluß meiner Tour.

Passo dello Stelvio / Stilfser Joch (I)(2758m) – Umbrailpass (CH)(2503m) –Sta.Maria Val Müstair / Santa Maria im Münstertal (1375m) – Müstair / Münster (CH) – Tubre / Taufers im Münstertal (I)(1240m) – Glorena / Glurns (907m) –Montechiaro / Lichtenberg (938m)

Strecke:                              Asphalt und Naturweg Rennrad möglich

Länge:                                36,2 km

Abstieg etwa gesamt:          1820 m

Zeit:                                  1:26:00 Stunden

Die Runde muß fertig gefahren werden. Mit dem Bus fahre ich von Prato (913m) auf den Passo dello Stelvio / Stilfser Joch (2758m).

Weiter geht’s. Es ist trotz der Sonne bitterkalt und ich klappre auf meinem Fahrrad, rolle ich doch vom Stilfser Joch in Richtung Bormio. Am ersten Abzweig nach rechts biege ich von der Hauptstraße in Richtung Schweiz ab. Ohne Grenzkontrolle erreiche ich das eidgenössische Territorium. Ich befinde mich im Kanton Graubünden. Nach wenigen Metern stehe ich vor dem Schild der Passhöhe auf dem Umbrailpass (2503m). Ich fahre durch abfallendes Gelände, nach wenigen Minuten fällt die Strecke steil ab. Ich friere wieder ganz schön, kann die Finger kaum noch bewegen. Kehre für Kehre absolviere ich sehr vorsichtig. Dann beginnt der Naturweg aus feinem Splitt, er ist etwa 2 Kilometer lang. Für Rennräder aber trotzdem kein Problem. Saftige Alpenwiesen mit vermutlich sehr zufriedenen Kühen schauen mir etwas skeptisch zu. Auf der Höhe von 1789 Metern beginnen wieder die Kehren. Ich höre nur ein Motorengeräusch. Von vorn kommt ein junger Bursche mit einem Audi und rasiert mich fast weg. Ich war ganz schön erschrocken. Weiter geht es steil bergab. Ich erreiche Sta.Maria Val Müstair / Santa Maria im Münstertal (1375m). Weiter rolle ich nach Müstair / Münster. Am Ortsausgang steht die mächtige Klosteranlage. Nach wenigen hundert Metern die Grenzkontrolle von der Schweiz nach Italien. Ich rolle nun wieder durch Südtirol. Am Ortseingang von Glorenza / Glurns (907m) biege ich nach rechts ab. Die letzten Kilometer schaffe ich auch noch. Nach 1:26:00 Stunden und 36,2 Kilometern vorwiegend rollend steige ich unterhalb der Schlossruine von Montechiaro / Lichtenberg (938m) vom Rad.

Diesen Aufstieg werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Einige kluge Leute meinten, ich hätte wohl die Felge durchgebremst gehabt. Bleibt zu beachten, das ich mich bei dem Malheur im Aufstieg befunden habe und nicht bremste. Wie auch immer, wieder um eine Erfahrung reicher.

Als ich am Abend meine Pulsuhr in den Laptop eingelesen habe passiert mir ein Fehler, ich lösche die Datei der zweiten Teiletappe über den Umbrailpass.

Jetzt kann ich euch es ja verraten, das Stilfser Joch steht für uns unter einem ungünstigen Stern. Am 15.07.2004 wollte Eric ebenfalls schon das Stilfser Joch hoch fahren. Als er tags zuvor den Flüelapass in der Schweiz fuhr hatte er Schaltungsprobleme. Nach der Einheit wurde die Schaltung und Kette kontrolliert. Die Kette war angerissen, ein Glied auf einer Seite bereits durchgerissen. Die beste Pflege nützt nichts wenn das Material nicht hält. Übrigens, damals lag noch sehr viel Schnee links und rechts der Passstraße.

Die meisten von euch wissen es, der Giro d`Italia führte mehrmals über das Stilfser Joch, letzmals im Jahr 2005. Bei dieser Tour lag allerdings noch viel Schnee auf den Straßen und man begann eine große Räumaktion, bis zur letzten Minute stand der Start in den Sternen.

Weitere Wandermöglichkeiten auf dem Pass führen zum Tibethaus, der Signalkuppe und dem Rifugio Garibaldi auf der Drei Sprachen Spitze. Wanderungen ins hochalpine Gelände können mit der richtigen Ausrüstung unternommen werden. In Trafoi lädt das Nationalparkhaus ein. In Sulden stehen Messners Yaks. Eine schön erhaltene Klosteranlage steht in Müstair. Aber wer weiter strampeln will hat noch einige Pässe in der Nähe, so den  Pass dal Fuorn / Ofenpass (2149m) oder in die andere Richtung den Passo di Resia / Reschenpass (1507m) oberhalb des Reschensee mit seiner weltbekannten Kirche.

Achtung, der Personalausweis wird an der Grenzkontrolle benötigt.

Sammler von Stocknägeln und kleinen Aufklebern kommen auf ihre Kosten. Natürlich gibt es auf dem Stilfser Joch das passende T-Shirt zur Erinnerung an die erlittenen aber freiwillig auferlegten Qualen des Aufstieges.

Als ich im Oktober des Jahres 2007 einen alten Kumpel anlässlich des Treffens unseres Ingenieurstudiums traf, verriet er mir das er auch 2007 auf dem Stilfser Joch war, allerdings mit dem Motorrad.

Als Kartenmaterial für die Planung werden empfohlen. Die Wanderkarte Obervinschgau / Alta Val Venosta im Maßstab 1:35.000 aus dem Kompass Verlag, ISBN 3-85491-580-2. Die topographische Wanderkarte Ortles – Cevedale/ Ortlergebiet, Blatt 08 im Maßstab 1:25.000 aus dem Verlag Tabacco, eine ISBN steht auf der Karte nicht. Sehr gut ist, sie ist in einer durchsichtigen Foliehülle auf der Maßstabslineale aufgedruckt sind.

Autoatlas Italien im Maßstab 1:225.000, ISBN 88-365-2240-8. Autoatlas Schweiz im Maßstab 1:250.000, ISBN 3-8283-0048-0.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.

Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß  bei eurer Tour