9. Etappe Tour de Suisse 2005 (Königsetappe)

Furkapass (2429m) - Nufenenpass (2478m) - Gotthardpass (2108m)

Strecke: Asphalt und Kopfsteinpflaster, Rennrad möglich
Länge: 100,4 km (Furkapass 11 %, Nufenenpass 10 %, Gotthardpass 10 %)
Aufstieg gesamt: 2962 m
Abstieg gesamt: 2958 m
HF-Durchschnitt: 145 S/min
Maximalpuls: 179 S/min
TF-Durchschnitt: 171 S/min
Maximalgeschw.: 86,1 km/h (Abfahrt vom Gotthardpass)
Temperatur: 8 Grad im Schatten am Start, 24 Grad im Schatten am Ziel (jeweils in Realp)
Zeit: 4:13:45 Stunden

Wir haben etwas an der Karte gedreht und die Königsetappe der Tour de Suisse 2005 verdreht. Die Fahrt sollte durch drei Kantone der Schweiz gehen. Jeweils wurden Start und Ziel von Ulrichen nach Realp verlegt um Leerkilometer mit dem Betreuungsfahrzeug zu sparen. Ansonsten wurde straff auf der Originalstrecke gestrampelt. Frank als Fahrer des Begleitautos hatte allerhand Getränkeflaschen und Verpflegung gebunkert. Trockene und warme Bekleidung für den Pedaleur wurden mitgeführt. Eric lachte etwas als ich mit der Bummelmütze am Start ins Auto stieg. Ich vermutete große Kälte auf dem ersten Pass, in Realp am Start waren es ja nur 8 Grad über Plus.
Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß auf 1538m in Realp, am Ortsausgang Zufahrt Militärsportanlage, programmiert werden. Eric ist mit dem Rennrad unterwegs.
Der Start in Realp (1538m) im Kanton Uri ist erfolgt. Der Bär schaut uns hinterher. Auch ohne uns würde hier die Gotthard-Matterhorn-Bahn in den Furkabasistunnel fahren. Hier ist eine Autoverladung möglich. Aber auch die blauen Dampfrösser der Furkadampfbahn starten hier ihre Fahrt über die Furkabergstrecke. Ohne einrollen geht es gleich in den Anstieg zum Furkapass. In den ersten Kehren sah Eric ganz schön fest aus. Das Hotel Galenstock wird am KM 5,3 passiert, die Murmeltiere pfeifen schon wieder. Am KM 6,9 wird durch Tiefenbach, bekannt durch seine einzigartige Eisenbahnbrückenkonstruktion (die Brücke wird im Winter wegen der Lawinen in der Mitte nach unten auseinder geklappt), gerollt. Eigentlich sind es ja nur 5 Häuser und eine kleine Kirche. Am KM 11,6 steht das Hotel Furka. Ich zog es vor mit dem Auto gleich auf die Passhöhe zu fahren. Wie erwartet war es hundekalt, die letzten Schneereste von zwei Tagen zuvor säumten die Straße. Es dauerte auch nicht mehr lange und Eric rollte auf den Furkapass (2429m, KM 12,1, 51:49 Minuten). Schnell noch die Jacke und die Weste übergezogen, dann gleich die Grenze vom Kanton Uri in den Kanton Wallis überquert und rein in die Abfahrt. Am KM 15 wird durch die Kehre am Belvedere (2269m) und vorbei an der Gletschergrotte des Rhonegletschers gerollt. Durch seinen schweren Sturz zwei Wochen zuvor in Frankreich rollt er anfangs noch sehr verhalten und außergewöhnlich vorsichtig. Wer hier dieses Rinnsal sieht würde niemals glauben das es so ein breiter Fluß wird. Das Bahngleis der in den letzten Jahren liebe-und mühevoll durch Frohnarbeiter wieder aufgebauten Furkadampfbahn wird am KM 18 überquert. Die Abfahrt geht rasant weiter. Der Ort Gletsch (1757m, KM 22,3) ist schnell erreicht. Es ist der Scheitelpunkt zwischen dem Furkapass und dem Grimselpass, sowie der Endpunkt der Furkadampfstrecke von Realp nach Gletsch. 70 Meter Kopfsteinpflaster und ein kurzes unbeleuchtetes Felsentor erscheinen bei KM 24,5. Für alle die Probleme mit ihrem Rad haben kommt im Ort Oberwald (1368m, KM 28,3) ein Radladen. Es ist der einzige den wir auf der Tour gesichtet haben. Wir sind im Goms, einem langen Tal und es folgt nun ein etwas flacherer Streckenabschnitt. Die wärmende Bekleidung kann hier ausgezogen werden. Der andere Autoverladebahnhof der Furkabahn wird am KM 29,1 passiert. Zwischen den KM 29,3 und 31,0 sind zwei Galerien und Tunnel. Der Ort Obergesteln (1355m, KM 31,4) wird passiert. Konzentration ist gefragt, in Ulrichen (1345m, KM 33,5) muß nach links in Richtung Nufenenpass abgebogen werden. Die Kletterei erfolgt gleich scharf. Nach 37,7 Kilometern ist eine 1000 Meter lange Gefällestrecke zum erholen. Der Anstieg auf diesen höchsten Pass unserer Tour ist erbarmungslos, ein runder Tritt bewährt sich wie immer. Steine, Kühe, Kehren ist das einzige auf den kommenden Kilometern. Endlich, der Nufenenpass (2478m, KM 47,2, 2:24:45 Stunden) ist erreicht. Erneut werden Trinkflaschen getauscht, Riegel gegessen und aufgefüllt. Ein herrliches Panorama der bezaubernden Bergwelt mit seinen Gipfeln und Gletschern tut sich auf. Am kleinen Bergsee steht der Grenzstein vom Kanton Wallis zum „Sonnenkanton“ der Schweiz, dem Tessin. Dennoch muß wieder wärmende Bekleidung drüber gezogen werden, die kommende Abfahrt hat es in sich. Konzentrieren, bremsen, rollen. Die Orte Al Aqua (1614m, KM 58,3),
Ossasco (1313m, KM 64,2) und wenig später Fontana (1281m, KM 66,0) werden durchfahren. Schon einige Kilometer kann man nach Airolo schauen. Aber vor allem die Kehren der Gotthardstraße grinsen einen an. Airolo (1141m, KM 70,3, 2:55:15 Stunden) ist erreicht. Frank hat sich im Begleitauto schon längst seiner Mütze und Jacke entledigt. Kurz hinter dem Ortseingangsschild muß nach links in Richtung Gotthardpass abgebogen werden. Wir fahren die alte Passstraße, also an den etwas verwirrenden Wegweisern zum Pass, zweimal rechts halten. Die Kletterei auf dem Kopfsteinpflaster (KM 73,1) beginnt an der Kaserne der Festungswächter. Die Beobachter des Tales in den Bunkern haben uns sicherlich schon längst entdeckt. Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung ist gut bewacht. In den steilen Kehren muß Eric immer wieder aus dem Sattel, durch die Kopfsteine wird die Sache enorm erschwert. Aber er scheint gut drauf zu sein, immer wieder überholt er andere Radsportler. Touristen in ihren Autos feuern die Pedaleure an und sorgen für Stimmung. Einige schießen sich auch von den Pedalrittern ein Erinnerungsfoto. Wieviel Kehren mögen es noch sein um den Göttern die Hand reichen zu können. Eric tritt wie besessen und plötzlich erscheint rechts das Hospiz auf dem Gotthard. Links steht die Kanone und das Nationalmuseum der Eidgenossen. Vorn das Denkmal vor dem See und 100 Meter weiter das Schild mit der Aufschrift Gotthardpass (2108m). Bis hierher sind 83,6 Kilometer und 3:54:36 Stunden vergangen. Obwohl die Sonne scheint und es warm ist zieht Eric wieder seine langen Sachen an. Schnell verläßt er den Pass und fährt Blitzschnell seinem Begleitauto davon. Die Höchstgeschwindigkeit wird hier sogar mit 86,1 km/h erreicht. Der Volvo hat keine Chance und bleibt zurück. Der gelbe Ochsenkopf grüßt vom Felsen, wir sind wieder im Kanton Uri, einem der drei Gründungskantone der Schweiz. Hospental (1493m, KM 92,6) ist erreicht. Im Kreisverkehr, dem Scheidepunkt von Oberalppass, Furkapass und Gotthardpass muß Ausfahrt zwei in Richtung Furkapass genommen werden. Das kleine Gotteshaus in diesem Ort ist sehr schön. Am KM 95,0 ist das kleinste Dorf der Schweiz, Zumdorf, erreicht. Von weitem grüß der Bär in Realp (1538m). Eigentlich sollten es 100,4 km sein, unsere zwei Tachometer in der Pulsuhr und am Rad zeigen jeweils 99,4 Kilometer an. Der im Auto hinkt noch mehr hinterher mit 98,4 Kilometern.

Radbeleuchtung wird nicht benötigt.
Für die Sammler von Stocknägeln, Stempeln oder kleinen Aufklebern – auf den Pässen wird man gut versorgt.
Aber auch die Kultur vor oder nach den sportlichen Betätigungen sollten nicht ins Hintertreffen geraten, meistens erfährt man etwas neues und erweitert seinen Horizont. Geeignet sind dazu das Verkehrshaus Luzern mit all seinen Exponaten vom Auto, Bahn, Luftfahrt, Raumfahrt, Schiffahrt, Modellbau und außergewöhnlichen wie Raketen oder Ballons. Für Kinder und Familienangehörige wird es hundertprozentig etwas technisch und interessantes geboten. Auf dem Gotthardpass steht das Schweizer Nationalmuseum. Für mich waren es die interessantesten Geschichtssunden im Rahmen der Aufklärung über die Entstehung der Schweiz.
Als Kartenmaterial wird der Straßenatlas von Hallwag M 1:250 000 mit der ISBN 3-8283-0048-0 empfohlen. Es läßt sich sehr gut damit arbeiten, das Werk ist sehr umfangreich.
Noch besser geht es aber während der Tour de Suisse mit dem offiziellen Programmheft.
Fotoapparat und Reserveakku´s für die unvergeßlichen Momente nicht vergessen.

Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.
Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß bei eurer Tour