Drei Zinnen Tour

Rifugio Ricordi (1880m) – Col S.Angelo (1756m) – Misurina (1756m) – Passo Tre Croci (1809m) – Cortina d`Ampezzo (1224m) – Passo Cimabanche (1530m) – Höhlenstein Tal (1432m) – Col S.Angelo (1756m) – Rifugio Ricordi (1880m) – Rifugio Auronzo (2333m)

Strecke: Asphalt, Rennrad möglich
Länge: 51,2 km ( 12%, 16%, zu Rifugio Auronzo 5,5km, 20 %)
Aufstieg gesamt: 1468 m
Abstieg gesamt: 1454 m
HF-Durchschnitt: 125 S/min
Maximalpuls: 156 S/min
Temperatur: 17 Grad im Schatten
Zeit: 3:41:40 Stunden

Aus logistischen Gründen begann ich meine Tour an der Rifugio Ricordi (1880m) an einem wunder-schönen See.
Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß zum Start auf 1880 Meter programmiert werden, Frank sattelt sein MTB. Die alte Wetterjacke wird wieder als guter Windschutz dienen.
Eine knackige Abfahrt bei 16% Gefälle läßt die Schinderei beim Rückweg und somit Aufstieg beizeiten erahnen. Auf dem unscheinbarem Pass Col S. Angelo (1756m) muß sich an der Kreuzung links gehalten werden. Misurina (1756m), ein kleiner Ort an einem großen Bergsee inmitten eines herrlichen Panoramas. Windstill, das Rad rollt gut, eine Gefällepassage und ehe man sich versieht beginnt schon wieder der Aufstieg zum nächsten Pass. Eine Kette von Kehren und saftige Höhenmeter. Der Passo Tre Croci (1809m) am KM 7,6 ist erreicht. In meiner Aufregung und sicherlich war ich auch etwas abgekämpft, fotografiere ich nur das Passschild und vergesse mein Rad davor zu stellen. Rein in die Abfahrt nach Cortina. Das Rad rollt gut, meine Wetterjacke flattert im Fahrtwind. Cortina d`Ampezzo (1224m) ist nach 15,8 Kilometern erreicht. Für alle die es schon vergessen haben, im Jahr 1956 fanden in Cortina d`Ampezzo die VII. Olympischen Winterspiele statt. Ein großartiges Fest der Völker und des Sports. An verschiedenen Stellen wehen noch Fahnen mit den Olympischen Ringen. Ich strample weiter in Richtung Toblach (Dobbiaco). Mittlerweile bewältige ich mehrere Kehren und zahlreiche Höhenmeter. Schnell stehe ich auf dem Passo Cimabanche (1530m). Es sind 29,8 Kilometer erradelt. Ein obligatorischer Fotohalt. Zwei große Schilder verweisen auf eine Grenze, die zwischen Italien Venedig und Südtirol. Beginn der autonomen Provinz Bozen Südtirol (Provincia Autonoma di Bolzano Alto Adige). Eine kurze Abfahrt bis ins Höhlenstein Tal (1432m). Hier muß scharf nach rechts in Richtung Misurina abgebogen werden. 12% lauern auf die Pedaleure. Der Schluderbach, im Sommer fast ausgetrocknet, bildet erneut die Grenze, ich verlasse schon wieder Südtirol. Der unscheinbare Col S. Angelo (1756m) ist erreicht, ein Passschild kann ich nicht erspähen. Auf der Kreuzung muß nach links in Richtung Drei Zinnen abgebogen werden. Am Aufstieg lauern 16% auf die Pedaleure, aber er läßt sich gut fahren. Mein Ausgangspunkt (Rifugio Ricordi 1880m) ist erreicht, kurzer Tausch der Trinkflaschen und ich radle wie geplant weiter. Nach einem kurzen Huckel stehe ich vor der noch wegen Schnee auf der Straße geschlossenen Mautstation (Autos 20€, Motorräder 10€, Kleinbuse 30€, Busse 90€) der 6 Kilometer langen Privatstraße zu den Drei Zinnen (3 Cime). Die Kontrolleure lassen an jenem Tag nur Wanderer und Radfahrer durch. Nach wenigen hundert Metern befinde ich mich schon in einer Kehre, schnell werden Höhenmeter gemacht. Für das gigantische Panorama habe ich in dieser Phase nur wenig Verständnis. 5,5 Kilometer mit durchschnittlich 20 Prozent verlangen mir als Speichenschinder alles ab. Irgendwann säumt links und rechts der Straße Schnee mein Umfeld, es ist ganz schön kühl geworden. Plötzlich sehe ich auf einem Felsen eine Berghütte – soll dort mein Etappenziel sein? Schon ganz schön geschwächt kämpfe ich mich durch jede Kehre, ich beobachte die Anzeige von meinem Höhenmesser und freue mich über jeden Meterden ich geschafft habe. Grenzbereiche öffnen sich für mich. Der Inhalt meiner Trinkflasche nimmt auch immer schneller ab. In einer Kehre bin ich so langsam das mein Rad fast umkippt. Wieder gefangen wird gekämpft, das Ziel ist nah. Die Rifugio Auronzo (2333m) ist nach 45,5 Kilometern erreicht. Ich bin den Göttern und den Drei Zinnen verdammt nah. Schnell paar Fotos, es ist bitterkalt. Eigentlich hat die Hütte noch geschlossen, ich versuche mein Glück durch die Küchentür und stehe wenig später in einem warmen Gastraum. Bibbernd wie ein Schloßhund kaufe ich mir einige Stocknägel, ziehe meine alte Wetterjacke an und besorge mir noch eine alte Zeitung als Windschutz für meinen Bauch.
Auf der Rückfahrt (Abfahrt 20%) friere ich unwahrscheinlich, aber ab der Mautstelle muß wieder getreten werden und so taue ich langsam auf. An der Rifugio Ricordi (1880m) sattle ich nach 51,2 Kilometern ab. Eine anstrengende aber schöne und erlebnisreiche Tour geht zu Ende. Meine Frau fragt mich ob ich auf der Hütte war die sie am Fels oben mit dem Fernglas erspäht hatte. Wir schauen und es stimmt tatsächlich.
Längere Zeit benötige ich noch zum verschnaufen, anschließend genieße ich die Ruhe und den Blick in dieses herrliche Panorama der Dolomiten. Endlich gibt es wieder etwas zu essen, alle Reserven hatte mein Körper aufgebraucht.

Für die Sammler von Stocknägeln, Stempeln oder kleinen Aufklebern – überall wird man gut versorgt.
Als Kartenmaterial wird Autoatlas Italien 1:225.000, Touring Club Italiano ISBN 88-365-2240-8 empfohlen.
Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.
Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß bei eurer Tour