Ausschnitt 11. Etappe Tour de France 2005

Col du Galibier (2645m) - Valloire (1414m) - Col du Telegraphe (1566m) - Valloire -
Col du Galibier (2645m)

Strecke: Asphalt, Rennrad möglich
Länge: 46 km (Galibier 17,5 km, 6,9 %)
Aufstieg gesamt: 1386 m
Abstieg gesamt: 1396 m
HF-Durchschnitt: 159 S/min
Maximalpuls: 175 S/min
Temperatur: 12 Grad im Schatten
Zeit: 3:22:30 Stunden

Wir wollten am Vorabend (ca. 21.30 Uhr) der 11. Etappe der Tour de France, von Valloire noch auf den Col du Galibier. Schon vor dem Wintersportort kochte in dem Aufstieg zum Col du Telegraph die Stimmung. Unzählige Radsportbegeisterte begrüßten jedes Fahrzeug. In Valloire war am Ortseingang erst einmal Ende der Fahrt, die Polizei hatte den Galibier schon geschlossen und so mußten wir erst einmal mit unserem Auto im Ort übernachten. Als noch alle anderen schliefen klingelte bei uns 3:30 Uhr der Wecker und wir nahmen im zweiten Anlauf den Galibier. Kilometerlang parkten Wohnmobile, wie viele Menschen mögen es gewesen sein die sich dort schon eingenistet hatten. Wir fanden wenige Meter hinter der Passhöhe einen Stellplatz und setzten unsere Nachtruhe fort.
Circa 8.45 Uhr begann Frank etwas aufgeregt seine Tour. Es herrschten ganze 6 Grad über Null, dementsprechend wurden die Wintersachen angezogen. Auf der Pulsuhr programmierte er im Höhenmesser 2645m, stellte den Tachometer am Rad auf Null und begann seine rasante Abfahrt vom
Col du Galibier (2645m). Nach einigen Kilometern bemerkte er das er die Pulsuhr vergessen hatte zu starten. Scheibenkleister. Vor Valloire (1414m), 7,9 Kilometer vor dem Col du Telegraphe wurde der Höhenmesser über den Daumen eingestellt. Die Höhen weichen nun von den realen Werten ab, stimmen aber in der absteigenden und aufsteigenden Höhe. Von Valloire wurden auf den Col du Telegraphe somit 158 Meter geklettert. Tausende Fans belagerten schon frühs den Pass. Die Uhr wurde auf dem Telegraph gestoppt und neu programmiert, eine zweite Trainingseinheit gestartet.
Start Col du Telegraphe (1566m) und in Richtung Valloire (1414m) gerollt. Mittlerweile hatten sich in diesem Talort hochsommerliche Temperaturen eingestellt. Die Kletterei begann, ein runder Tritt zahlte sich aus. Die ersten 10 Kilometer rollte es noch wunderbar obwohl schon tüchtig Höhenmeter geschrubbt wurden. Bis nach Plan Lachat (1948m) klappte es auch noch richtig gut. Circa 5,5 Kilometer vor der Bergprämie ging nichts mehr, ich mußte das erstemal vom Rad und war schon fix und fertig. Der Puls raste bei 175 Schlägen pro Minute. Eine kurze Gehpause und wieder aufs Rad, der Puls war sofort wieder oben, ich war wohl am Limit. Selbst die vielen Tausenden Fans konnten mich nicht mehr verzaubern. Immer öfter erfolgten Gehpausen. Der Pass zum greifen nah und wieder eine Kehre, es war wohl meine bisher schwerste Tour. Rauf aufs Rad, denn auch ich wollte tretend den Col du Galibier (2645m) erklimmen. Ein erhebendes Gefühl den Göttern so nah zu sein obwohl ich absolut am Ende war. So treckich ging es mir noch nach keinem Marthonlauf. Aber auch das gehört dazu. Für die Strecke von 22,3 Kilometern (1206m Höhenmeter gesamt Anstieg, 165 Höhenmeter gesamt Abstieg) vom Telegraph bis zum Galibier benötigte ich 2:47:00 Stunden.

Wir wandern etwa bis circa 100 Meter unterhalb des Passes um die Fahrer der Tour de France auf ihrer 11. Etappe 2005 richtig bestaunen und anfeuern zu können. Zweieinhalb Stunden vorher haben wir uns einen kleinen Platz gesichert. Frank lag noch reglos auf der Zeltplane und erholte sich von dem Aufstieg. Keine Maus hat mehr Platz. Etwa eine Stunde vor den Fahrern rollt die Werbekarawane mit allerlei lustigen und interessantem vorbei. Auch das eine oder andere kleine Werbegeschenk läßt uns sicherlich ewig an diese Tour zurück denken. Endlich ist es soweit, in den Kehren unterhalb unseres Beobachtungsplatzes rollt der erste Fahrer an. Es ist Alexandre Vinokourov der amtierende kasachische Meister und Oberst der Polizei. Er hat gehörigen Vorsprung. Die Stimmung kocht, auf der breiten Straße am Pass ist nur noch eine enge Gasse übrig. Polizisten versuchen immer wieder die Fans von der Straße zu drängen. Vino sichert sich die Bergprämie. Eine Verfolgergruppe mit Lance Amstrong versucht hinterher zu steigen. Andere Fahrer stecken sich auf dem Pass Zeitungen unter die Trikots um sich vor Auskühlung in der Abfahrt zu schützen. Die Fahrer stürzen sich vom Pass herunter, wie sie um die Kehren gekommen sind begreife ich bis heute nicht. Auch wir konnten tolle Fotos schießen. Bevor wir unser Auto besteigen schauen wir noch auf einem Bildschirm an einem Wohnmobil die Etappenankunft. Vino siegt verdient. Eine hervorragende Stimmung und ein großartiges Erlebnis. Nach dem Troß setzen wir uns in unser Auto und versuchen vom Pass zu fahren. Die Polizei läßt erst mehrere Tausend Radfahrer runter. Wir warten circa 90 Minuten bis wir starten dürfen.

Für die Sammler von Stocknägeln, Stempeln oder kleinen Aufklebern – wenige hundert Meter nach dem Pass wird man gut versorgt.
Als Kartenmaterial werden die IGN Karten TOP 25, im Maßstab 1:25.000 empfohlen. Aber auch mit einem Autoatlas von Michelin, Frankreich, im Maßstab 1:200.000 läßt es sich gut arbeiten.
Noch besser geht es aber während der Tour de France mit dem offiziellen Programmheft. Bereits am Vortag der jeweiligen Etappe ist diese mit ausgezeichneten Streckenpfeilen sehr genau und übersichtlich markiert.
Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam.
Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß bei eurer Tour