Esterel - 7 Pässe Tour

Schwärzester all unserer Sportlertage

Agay (5m) - Col I`Eveque (159m) - Col des Lentisques (263m) - Col Notre-Dame (358m) -
Col de la Cadiere (245m) - Col du Trayas (245m) - Col de Theoule (123m) - Afrika Denkmal -
Theoule-sur-Mer (36m) - Col de I`Esquielon (109m) - Antheor (13m) - Agay (5m)

Strecke: Naturwege, Schotter, wenig Asphalt, MTB möglich
Länge: 38,8 km
Aufstieg gesamt: 630 m
Abstieg gesamt: 589 m
HF-Durchschnitt: 123 S/min
Maximalpuls: 159 S/min
Temperatur: 32 Grad im Schatten
Zeit: 2:35:30 Stunden

Wer die Abwechslung zum Badeurlaub an der Cote d`Azur in Frankreich die Bewegung sucht der sollte seinen Drahtesel fit machen.
Unsere Radtour begann in Agay (5m) unmittelbar am Mittelmeer, am Fuße des Esterel Gebirges. Der Höhenmesser in der Pulsuhr muß somit auf 5m programmiert werden. Ich rolle wie immer mit dem MTB.
Der Start ist erfolgt, die ersten Meter werden auf der Küstenstraße gefahren. Am Kreisverkehr rechts in Richtung Frejus und der Autobahn halten. Am Ortsausgang biegt rechts die Straße in das Esterel Gebirge ab. Von jetzt an macht das radeln Spaß, Ruhe und Natur sind unsere Weggefährten. Vorbei an einer Plantage mit Rebstöcken ist man wenig später am Fort Gratadis, kurz danach liegt rechts der kleine Campingplatz. In der Abfahrt hält man sich rechts, es steht ein Schild Sackgasse noch 12 KM. Eine kleine Gefällestrecke führt über die Betonbrücke des ausgetrockneten Flußbettes. Rechts stehen mächtige Eukalyptusbäume, von hier an werden wieder Höhenmeter gemacht. Ein runder Tritt bewährt sich wieder einmal. Die nächste Wegkreuzung ist erreicht, wir biegen nach links ab in Richtung Pic de I`Ours. Die Straße gabelt sich wenig später erneut, diesmal aber wegen der Enge, sie wird zur Einbahnstraße. Hier muß der Col de I`Eveque (159m) sein, das Passschild fehlt. Rechts tut sich eine großartige Aussicht auf das Mittelmeer auf. Vor uns stehen mächtige Felsen und es ergießen sich nimmer endende Geröllhalden. Es dauert nicht mehr lange und wir stehen auf dem Col des Lentisques (263m, KM 12). Erst kurz wieder im Sattel ist der nächste Pass erreicht, es ist der Col Notre-Dame (358m, KM13,6) der diesmal höchste Punkt auf der Tour. Links neben uns steht der Funkturm auf dem Pic de I`Ours (562m) hoch zum greifen nah. Nach dem obligatorischen Foto geht es weiter auf der Asphaltstraße die nun für Kfz gesperrt ist. Aber hier oben war es ohnehin sehr ruhig. Bergabwärts wirkt der Fahrtwind sehr erfrischend. Der Col de la Cadiere (241m, KM 15,9) ist schnell erreicht. Ich verlasse die ausgebaute Straße an dieser Stelle nach rechts und fahre auf Naturwegen weiter. Kurze Zeit später stehe ich auf dem Col du Trayas (245m, KM 17,4). Hier ist wieder eine fast unberührte Natur, ich fühle mich pudelwohl. Große Felsen und viel Geröll, es geht nur noch beschwerlich vorwärts. Plötzlich stehe ich auf dem Col de Theole (123m). Ein Wegweiser mit der Aufschrift "ND d`Afrique" erweckt meine Neugier. Was mag dort wohl zu sehen sein. Ich nehme den beschwerlichen Aufstieg in Angriff. Von einem Berg sehe ich schon etwas, soll das etwa eine aufgesprengte Banane sein, ich kann es nicht richtig erkennen. Schnell bin ich schlauer, eine Madonna und ein Glockenstuhl stehen vor mir. Interessiert lese ich mir die vielen Gedenktafeln für die tapferen französischen Krieger durch. Alles ist sehr gepflegt obwohl es weit abseits liegt. Ich mache etliche Fotos um meiner Familie zu zeigen was ich unterwegs alles erlebt habe. Übrigens, schon auf dem Bahnhof von Nice entdeckte ich einige Vitrinen mit Sachen der Fremdenlegionäre. Leider stoße ich immer wieder auf sprachliche Hürden. Als ich mein Fahrrad wieder aufnehme rollt es ziemlich schwer. Ich schaue und traue meinen Augen nicht, das Vorderrad hat wieder einen Plattfuß. Und das innerhalb von nur sieben Tagen zum zweiten mal. In der prallen Sonne artet der Schlauchwechsel zur Schwerstarbeit aus. Der Reifen geht nicht gleich in die Felge und so dauert es einige Zeit länger. Mit braungebranntem Oberkörper und nun auch schwarzen Händen setze ich meine Tour fort. Ich bin gespannt in welchem Ort ich raus komme, er liegt auf jeden Fall unmittelbar am Mittelmeer. Wenig später weiß ich bescheid, es ist Theoule-sur-Mer (36m). Eigentlich wollte ich nach meiner Radtour noch auf des Dampfrössers Spuren gehen, zu gut deutsch, den TGV (Französischer Hochgeschwindigkeitszug) bestaunen. Die Zeit bis nach Agay wäre zu knapp geworden. Der Plan wird neu geordnet, kurzerhand legte ich mich auf einer Eisenbahnbrücke in Theoule auf die Lauer. Es dauert auch nicht lange, da summen auch schon die Schienen. Mit großen Augen und viel Speicher auf meinem Fotoapparat verfolge ich die Zugeinheiten wie sie aus den Tunnel kommen. Ich habe beobachtet das es ein Triebkopf, acht Waggons und wieder ein Triebkopf ist. Meistens sind zwei dieser Einheiten an einander gekuppelt, doch diesmal sind es sogar drei. Die Spitze Schnauze des TGV beeindruckt mich genau so wie die der Concorde (Überschallflugzeug). Wenige Minuten später kommt auch der Gegenzug und mir gelingen erneut schöne Fotos. Hagen von Ortloff von Eisenbahnromantik hätte wohl auch seine Freude daran gehabt. Es nützt nichts, ich muß ans Ziel. So schwinge ich mich wieder auf meinen Drahtesel. Auf der dicht befahrenen Küstenstraße rollt es sehr gut. Auch die Autofahrer sind bewußt unterwegs. Ich fahre durch den Ort Miramar. Wieviel Kilometer es bis zum Ziel noch sind ahne ich nicht im geringsten, ich trete einfach kräftig weiter. Der Küstenort Antheor (11m) wird passiert. Ich genieße den Meerblick und denke fortlaufend an das anschließende Badevergnügen im Mittelmeer. Er rückt immer näher, der alte Leuchtturm von Agay (5m). 38,8 Kilometer stehen auf dem Tachometer, eine abenteuerliche Radtour ist beendet. Endlich kann auch ich an den Strand gehen und ins kühle Nass springen.

Bereits einen Tag später versuchte sich Eric auf dem Rennrad an dem Anfang dieser Strecke in etwas abgeänderter Form.
Auch er startete in Agay (5m) und radelte bis zum Col de I`Eveque (159m). Mit einem kräftigen runden Tritt erreichte er bereits nach 34:25 Minuten den Col Notre-Dame (358m, KM 13,6). Als Vergleich, ich benötigte bis dorthin 53:40 Minuten. Es ist schon eine Augenweide wie der junge Bursche die Berge und Pässe hoch springt. In der Abfahrt rollt er mit brausender Geschwindigkeit vom Pass. Auf der Kreuzung hinter dem Col de I`Eveque geht es diesmal nicht Richtung Agay. Wir fahren an der Weggablung geradeaus in Richtung Plateau d`Antheor bzw. Rocher de St-Barthelemy. Ich habe gerade das Auto gewendet, da taucht auch schon Eric auf dem Plateau d`Antheor (144m) auf. Auch er wird geknipst und beginnt sofort vom Berg zu rollen.
Das uns wenig später erst einmal die Freude am Radsport vergeht und uns das Wasser buchstäblich im Arsch kocht, ahnt zu dieser Zeit noch keiner von uns beiden. Ich fahre circa eine Minute später mit dem Auto los. Wenige hundert Meter später, Eric sein Rennrad liegt hinter einer Kurve auf der rechten Seite, der schneidige Bursche sitzt links am Hang und krümmt sich. Wie der verhängnisvolle Sturz passiert ist kann schwer nachvollzogen werden. Der Radhelm hat wohl erst einmal viel schlimmeres abgehalten. An mehreren Stellen tritt Blut aus der Kleidung, große Abschürfungen sind sofort zu erkennen. Wie weiter? Sofort wird der Bewußtheitszustand kontrolliert, alles kann bewegt werden, ich entschließe mich, da wir hier alleine auf weiter Flur sind, Eric sofort selbst im Auto vom Berg zu transportieren. Der Bursche muß unbedingt aus der großen Hitze. Wir fahren unser wenige Kilometer entferntes Quartier an und die Radbekleidung wird unter großen Schmerzen ausgezogen. Jetzt wird die ganze Bescherung sichtbar. Eine große klaffende Wunde auf dem Rücken und Schürfwunden am ganzen Blut verschmierten Körper werden sichtbar. Unsere eigens für solche Fälle mit geführte Sanitätstasche kommt seit langem mal wieder zum Einsatz. Der Junge muß große Schmerzen haben. Schnell alle Papiere eingepackt und zum Posten der „Wasserwacht“ an der Uferpromenade um Hilfe ersuchend. Der Rettungsschwimmer alarmiert sofort einen Rettungswagen der Feuerwehr, der wenige Minuten später eintrifft. Die freundlichen Sanitäter verpflastern Eric neu und fahren ihn mit Sondersignal ins Klinikum Frejus. Ärzte und Schwestern nehmen die weiteren Versorgungen mit Nadel und Faden vor. Der Röntgenapparat wird strapaziert. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten klappte alles hervorragend. Äußerst positiv muß erwähnt werden das die Versorgung begann ohne das die Formalitäten klar waren. Keine Frage nach Auslandskrankenschein oder ähnlichem.
Ein großer Dank für die unkomplizierte Behandlung gilt dem Personal des Rettungswagen der Feuerwehr und dem medizinischen Personal des Krankenhauses.
Wieder im Quartier angekommen wird erst einmal die Sportausrüstung begutachtet. Am Rennrad ist im Vorderrad keine 8, es ist mit Sicherheit als 32 einzustufen. Der Vorderreifen ist an mehreren Stellen zerissen. Der Hinterreifen hat ebenfalls einen Riß. Die Bekleidung ist zerrissen. Der Radhelm hat mit Sicherheit schwerwiegendere Verletzungen abgehalten. Der Helm ist an mehreren Stellen eingerissen und gebrochen.
Die Auswertung der Pulsuhr hat ergeben, die Geschwindigkeit verringerte sich schlagartig von 43 km/h auf 0 km/h.

Trotz der bis zu diesem Zeitpunkt durch Eric über 70 bewältigten Pässe und großer Erfahrungen mit dem Rad im Gebirge sollte niemals eine Abfahrt unterschätzt werden.

An alle Pedaleure der gutgemeinte Hinweis, fahrt mit Helm! Auch ich werde ab sofort über meinem Kopftuch immer einen Radhelm tragen.

Als Kartenmaterial werden die IGN Karten TOP 25, im Maßstab 1:25.000 empfohlen.
Die Blumen-und Tierwelt inmitten einer mir scheinbar heilen Natur ist sehr erholsam. Die Straße im Nationalpark ist nur von 06.00 – 21.00 Uhr für Autos befahrbar.
Wir fanden eine saubere Natur vor, tragt bitte auch ihr euren Anteil dazu bei.

Achtung, zu unserer Zeit herrschte eine sehr starke Hitze und eine damit außergewöhnlich hohe Brandgefahr in den Wäldern. Tageweise waren diese sogar gesperrt. Unterstützt die Rancher, Forstmitarbeiter, Feuerwehrleute, Polizisten und all die fleißigen Helfer. Parkt euer Begleitauto nicht über trockenem Gras. Richtet euch bitte nach den Festlegungen, die Natur wird es euch danken.

Achtung, im Gebirge schlägt das Wetter schnell um.

Viel Spaß bei eurer Tour